Dass der Herr der Zahlen über das Moers Festival, der Geschäftsführer der Moers Kultur GmbH, Dirk Hohensträter, seine positive Bilanz anno 2016 mit den knallharten Fakten einleitet, es habe keine Toten und Verletzten gegeben...mag man mit der Unsicherheit des Redners vor dem lauernden Löwen „Jazzpresse“ erklären.
Vielleicht spreizte sich auch hier nur für einen Augenaufschlag der Geschichte die Provinz. Vielleicht handelte sich um schlecht intonierte Ironie.
Remember: Reiner Michalke, der Festivalchef, wie auch Hohensträter, sein Vorgesetzter, boten auf der Pressekonferenz, zum Abschluss des 45. Festivals, je ihren Rücktritt an.
Von Höhensträters Angebot spricht kaum einer, von Michalkes alle.
moers brohlNun spricht auch der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Stadtrat Moers, Ingo Brohl.
Er benutzt das Instrument der Presse-Erklärung. Das erlaubt wohl durchdachte Formulierungen; wer auf diesem Instrument fehlt, kann sich nicht mehr mit der Ungeschicklichkeit des Momentes herausreden.
Brohl und die Seinen sind im Moment die einzigen, die das Angebot von Reiner Michalke annehmen wollen, es gebühre ihm sogar „Respekt“.
Brohl will aber nicht einfach Gründe vortragen, warum er und die Seinen das Festival ablehnen (solche Gründe, möglicherweise sogar gute, gibt es; man würde sie nur gerne mal hören), nein er wittert die Chance zum großen Flügelschlag als Metaphernschmied und wählt, damit auch alle ihm folgen können, die Welt des Fußballs als Referenz.
„Ich sehe keinen Champions League Teilnehmer ´Moers Festival´“.
Wow, das sitzt.
„Denn in der Champions League“, folgert Brohl, „werden eigentlich schwarze statt tiefrote Zahlen geschrieben.“
Ingro Brohl hat recht.
Nur unterliegt er, der Metaphernschmied vom Niederrhein, hier einer Kategorien-verwechslung. Und es gäbe niemand geeigneteren, ihm das zu erläutern, als Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff. Von 2005 bis 2010 war er Kulturstaatssekretär in einer CDU/FDP-Landesregierung, deren Chef dem Vergessen anheim gefallen ist - HHGB hingegen nicht.
Selbst in den SPD/Grüne-Jahren danach, insbesondere unter seiner gegenwärtigen Nachfolgerin (im Ministerrang), erinnert man sich seiner, auch in Kreisen der Improvisierten Musik, mit Hochachtung.
HHGB also könnte auf kurzem Wege, CDU-intern, Ingo Bohl darlegen, warum der Fußball-Vergleich nicht nur daneben, sondern provinziell ist.
Er bräuchte den Herrn Brohl nur nach seinen kulturellen Präferenzen zu befragen. Und, sollte sich irgendein Museum, Theater oder eine klassische Konzerthalle darunter befinden, von diesen sofort die Offenlegung ihrer Bilanzen einzufordern.
Die Ergebnisse müsste Brohl dann nur noch in puncto schwarze vs. tiefrote Zahlen ordnen.
Und nach diesem Spielzug, ergänzt die Jazzpolizei, einfach mal den Ball flach halten...

erstellt: 18.05.16
©Michael Rüsenberg, 2016. Alle Rechte vorbehalten

PS: dr pic meldet sich aus dem Pfingsturlaub zurück, mit Zahlen aus der Champions League. Sie zeigen, dass der Diplom-Wirtschaftsjurist (FH) Brohl auch von dieser Liga keine Ahnung hat.
Gesamtverbindlichkeiten (Liabilities) 2014 (in Mio. Euro) von
Real Madrid: 600
Atlético Madrid: 550
FC Barcelona: 420
FC Bayern München: 270
Grafik