Standards sind groß in Mode.

Aber niemand hat das Neu-Arrangieren, De-Komponieren und Wieder-Zusammenfügen vertrauter Vorlagen zu einer solchen Kunst emporgeschraubt wie Django Bates, 56.

Er hat - wie auch seine Art ist - einen schönen Begriff dafür gefunden:

arranging the hell out of something, im Deutschen mit „gegen den Strich bürsten“ nur schwach wiedergegeben.

Wer seine Bearbeitungen von „New York, New York“ (1995) und „My Way“ (2003) gehört hat, zweifelt nicht eine Sekunde, wie treffend er damit seine Tätigkeit beschreibt.

Als man dem Briten, der in Bern lehrt, für das 47. Deutsche Jazzfestival die Aufgabe antrug, eines der größten Rockalben aller Zeiten in den Griff zu nehmen, erwarteten nicht wenige einen frühen Höhepunkt der anlaufenden Konzertsaison 2016/17.

Wichtige Garanten dabei: die Vertrautheit des Materials von Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band ist nicht zu überbieten, also beste Voraussetzung für weite Exkursionen davon. Gleichfalls die Qualität des Personals: in Form der HR Big Band die derzeit wagemutigste unter den deutschen Radio Big Bands und mit den dänischen Eggs Laid By Tigers als erweiterte Rhythmusgruppe eine aufregende Truppe zwischen Hippietum und Klängen der Gegenwart.

Die Ankündigung der Veranstalter des Hessischen Rundfunks war also keineswegs übertrieben, Django ginge es darum, „diesen Monolithen der Popkultur zu dekonstruieren und aus der Jazzperspektive wieder neu zusammenzusetzen.“

Bates Pepper




















Die drei vom Schlussakkord:
Peter Bruun, Django Bates,
Martin Dahl
Foto: hr/Sascha Rheker

 

 

Nach der guten Stunde in der knallvollen Alten Oper Ffm liest man freilich diesen wie auch andere Sätze aus dem Programmheft völlig anders. Beispielsweise den, dass die 13 Stücke des Originals in „der gleichen Reihenfolge, der gleichen Tonart und Tonhöhe wie auf dem Album erklingen sollen.“

Man liest sie als Beleg für die Bravheit, den mangelnden Mut, ja die gänzliche Vorhersehbarkeit des Projektes. Erst bei „Lucy in the Sky with Diamonds“ (Nr 3 des Originals) fallen erstmals alterierte Akkorde ins Gewicht, auch „Within you without you (Nr. 8) sowie „Lovely Rita“ (Nr., 10) lassen gewisse Umdeutungen erkennen.

Der große Rest geht durch wie Butter, solistische Glanzleistungen bleiben aus, und Martin Dahl gibt so brav den Sänger, dass er wie das blasse alter ego des Gitarristen erscheint, den er sonst bei Eggs Laid By Tigers gibt, mit einer Mischung aus Jimi Hendrix und Hans Reichel.

Man django´t die ganze Zeit, d.h. man fantasiert sich Einfälle aus dem große Fundus von Django Bates herbei, um sich den Abend halbwegs zu retten. Es ist ein Rätsel, wie und warum ein Arrangeur eines solchen Formates Songs in ihrer Original-Fraktur durchlaufen lässt, die der sprichwörtliche Mann auf der Straße schon an ihren kleinsten Bestandteilen identifizieren kann.

Hör´ nach bei Django; zuletzt hat er beim come back der Loose Tubes genau das getan, nämlich seine eigenen Stücke für das Ensemble so in einem Medley verdichtet, dass sie einem wie neu erschienen.

erstellt: 27.10.16
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