Wer in der Grafenstadt braucht noch Clinton vs. Trump, wenn er das Gerangel um das nächste Moers Festival beobachten kann - als daily soap.

Das Personal wird immer schräger, die Mittel der Wahl sind Rücktritte, Kündigungen und Gutachten.

In der jüngsten Folge wird der Herr der schlechten Zahlen, Dirk Hohensträter, nun doch tatsächlich Opfer eines Gutachtens, nachdem er zuvor andere, u.a. den zurückgetretenen Festivalchef Reiner Michalke, mit Hilfe von Gutachten bis zur Weißglut getrieben hatte.

Hohensträter hat die aus dem ZDF-Fernsehgarten und anderen TV-Flachgewässern renommierten Leichtmatrosen Benjamin Schaschek und Hannes Koch alias Sailing Conductors (dpa-Foto) mit der technischen Logistik des Festivals 2017 betraut.
sailing conductors
Nun sieht das Gutachten einer Moerser Anwaltskanzlei darin „einen gravierenden Verstoß gegen die Verpflichtung des Geschäftsführers aus dem Dienstvertrag, vor Abschluss solcher Dienstverträge die Zustimmung des Aufsichtsrates einzuholen.“
Der Geschäftsführer der Moers Kultur GmbH müsse den beiden Heulbojen kündigen, andernfalls könne gegen ihn selbst eine Abmahnung oder eine „außerordentliche Kündigung“ gerechtfertigt sein.

Die beiden Leichtmatrosen hissen jetzt aber erst recht die Segel, sie greifen nach der Krone - und wollen Festivalchefs werden.

Das will plötzlich auch jemand, den viele Beobachter lange als Scherzkandidaten auf dem Monitor hatten, weil sie ihm die Avantgarde besser nicht anvertrauen möchten: Peter Baumgärtner, 56, aus Duisburg, Chef der Hildener Jazztage.

Die Mehrheitsfraktionen (SPD, FDP, Grüne, Grafschafter) hingegen betet, Tim Isfort, 49, möge es sich doch bitte noch mal anders überlegen. Und unterstützt ihn in seiner Erwartung, „hier in Moers die Rahmenbedingungen bereitgestellt zu bekommen, auf die er notwendigerweise angewiesen ist.“

Offenbar spricht keiner über das, worum es Pfingsten 2017 gehen soll, die Musik.

Eine schöne Gelegenheit, dazu ein Gutachten einzuholen.

erstellt: 29.10.16
©Michael Rüsenberg, 2016. Alle Rechte vorbehalten