Süpi!
Die Jazzpolizei ist hellauf begeistert: unsere schöne kleine Welt, die sich mit wohlklingenden Attributen gern bei der Kulturpolitik einschmeichelt („Jazz ist eine Metapher für Demokratie“),
zeigt erneut, dass in ihr genau dieselben dunklen Sümpfe dampfen wie in der großen.
Mit anderen Worten: der deutsche Jazz hat einen veritablen Plagiatsfall: BrönnerPlag.
bronner foto
Dem Club von Veronica Stoiber, Annette Schavan, Silvana Koch-Mehrin, Karl-Theodor von und zu Guttenberg, wie hieß noch der FDP-Mann (Schatzimakakis?), ist nun auch unser Schönster beigetreten, der sowohl in ÄllEij wie in Berlin wohnende Till Brönner.
Wie gemeldet will er in Berlin ein House Of Jazz errichten („Auch Herbie Hancock war begeistert“, SZ), in den Räumen der dafür umzubauenden Alten Münze.
„Musik sucht sich instinktiv ihren Ort“.
Um öffentliche Gelder dorthin zu lenken (die Rede ist von 25 Mio Umbaukosten, wovon der Bund die Hälfe übernehmen soll), muss man einen Antrag schreiben, am besten eine Machbarkeitsstudie. Das ist mühsam.
Und so, wie die Musik instinktiv auf die Alte Münze am Spreeufer zusteuerte, bot sich auch eine textliche Vorlage an, die dem viel beschäftigen Trompeter viel Gedankenarbeit ersparte, insbesondere Exkursionen, also Nachschlage-Arbeit, in die Historie des Jazz.

Aus Hamburg fand ein solcher Text instinktiv an die Spree.
Er war 2010 im Auftrag der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung der Freien und Hansestadt Hamburg erstellt worden. Es handelt sich um ein „Teilgutachten zu dem Veranstaltungsbereich“ im Rahmen einer Machbarkeitsstudie zur Gründung eines „Zentrums für Jazz, Pop & aktuelle Musik“.
Der Autor: Reiner Michalke, inzwischen scheidender Chef des Moers Festivals, seit drei Jahrzehnten verantwortlich für das Programm des Stadtgarten Köln.
Ende Oktober schickt Michalkes Anwältin einer Berliner Agentur, die für Brönner arbeitet, eine Abmahnung wegen Urheberrechtsverletzung.
An knapp einem Dutzend Bespielen weist sie nach, wie Brönner bzw. seine Agentur in schönster Plagiatsmanier bei Michalke abgekupfert haben: ganze Abschnitte, mal direkt, mal mit marginalen Veränderungen, immer ohne Nennung der Quelle.
Zum 04.11.2016 fordert die Kölner Anwältin die Berliner Agentur zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung auf.
Der Termin ist verstrichen, vielleicht begleicht das House Of Jazz die Anwaltskosten mit Alten Münzen.
And the Beat goes on...

erstellt: 21.11.16
©Michael Rüsenberg, 2016. Alle Rechte vorbehalten