Die Überalterung des Jazzpublikums wird diskutiert seit- nein, nicht seit der Entstehung der Gattung, aber wohl doch seit Jahrzehnten.

Und solange keine belastbaren empirischen Daten vorliegen, also seit Jahrzehnten, ist ein jeder, der sich zum Thema äußert, auf seinen/ihren Augenschein angewiesen.
Dieser bietet ein großes Panorama: nämlich Publika, die genau so alt sind, wie man sie einschätzt. Man findet sie vorzugsweise in den Prestige-Institutionen, also in den Philharmonien, aber auch beim - immer ausverkauften - Jazzfest Bonn oder im „ort“, Wuppertal.

Und die Jazzpolizei mag sich schon deshalb nicht darüber erheben, weil sie dort wie ein Fisch im Wasser sich fühlt, vulgo vom Alter her dazugehört.
Man findet aber auch Konzerte, „in denen sind die Hörer schon wieder so jung wie die Musiker“, wie Ulrich Stock neulich im Zeit Magazin berichtet; und unsereins findet das junge Gemüse vorzugsweise im „Loft“, Köln, wenn Hayden Chisholm spielt oder Nils Wogram.
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Es überraschte also kaum, wenn nun der edelsten eines unter den Konzerthäusern die jüngeren Zuhörer mit Preisnachlässen ködert.

Ab dem Konzert des Vijay Iyer Sextet am 13. Oktober gilt in der Wigmore Hall in London eine U35-Politik: alle unter 35 zahlen 5 GBP Eintritt, statt 15 bis 40 GBP.
Ist das ein Modell, das Nachahmer finden sollte?

In Bielefeld, im Bunker Ulmenwall, kann man darüber nur schmunzeln:

U20 heisst es dort seit Jahren.
Und U20 heisst: Eintritt frei für alle unter Zwanzigjährigen.

erstellt: 17.08.17
©Michael Rüsenberg, 2017. Alle Rechte vorbehalten