Von all denen, die sich vom Jazz abwandten, war er einer der radikalsten und profiliertesten.
Es ist kaum ein größerer Schritt denkbar als der von den Geburtsstunden des europäischen FreeJazz (Manfred Schoof´s „Voices“, 1965, die erste „Globe Unity“-Aufnahme, 1966) zu Can, ab 1968, zu einer metronomischen Spielweise, die er von dort an zu einer einsamen Kunst entwickelt hat.
Die mit Schoof und Schlippenbach sind die einzigen Jazz-Aufnahmen in seiner umfangreichen Diskografie, alles folgende ist Rock und auch Pop.
Jaki Liebezeit 1Die Abkehr vom Jazz hat ihn kaum Sympathien gekostet, im Gegenteil, insbesondere in Köln wurde er einfach weiter dazugezählt, sein Fortgang bedauert.
Die Kölner Saxophon Mafia ließ ihn 1990/91 mit tom-tom-Wirbeln über 4/4 eine beinahe „britisch“ klingende Polyphonie unterfüttern.
Wir erinnern uns anderseits an ein Treffen von ihm mit einem echten Briten, mit Evan Parker, es war wohl in den 90ern, im Stadtgarten, das man bestenfalls mit Stoizismus a la John Cage ertragen konnte: zwei separate, lebende Klangquellen auf der Bühne, die keinerlei Anstalten machten, das aufzugreifen, was der jeweils andere anbot- ist das falsche Wort - nein, produzierte.
Er war ein Stilist, keine Frage, sein karger Trommelstil wurde Kult im Pop, nicht immer nur bei den kultigen Can oder bei Eno, sondern auch bei diversen Kleingeistern (u.a. Schiller oder Burnt Friedman).
Sein artist statement, wie es Wikipedia wiedergibt: „Du musst monoton spielen, also immer wieder das gleiche, den gleichen rhythmischen Zyklus wiederholen, wiederholen, wiederholen. Dann entsteht Groove“, liest sich gut - ob es aber auch stimmt, ist eine andere Frage. Und sicher nicht stil-unabhängig zu entscheiden.
Sein letztes Album erschien 2015, „Akşak“, zusammen mit dem Kölner Perkussionisten Holger Mertin.
„Heute, 22. Jan. 2017, 11:41 Uhr hat er die Bühne und diese Welt verlassen. Doppelseitige Lungenentzündung - er wollte keine invasiven Maßnahmen und ist friedlich im Krankenhaus eingeschlafen“, teilte sein Kölner Hausarzt mit.
Jaki Liebezeit, geboren am 26. Mai 1938 in Dresden, wurde 78 Jahre alt.

 erstellt: 22.01.17
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