CHRIS DAVE and the Drumhedz ***

01.Rocks crying (Chris Dave, Sample), 02. Universal Language (Dave, Husayn, Sy Smith, Dockings, Rose, Glasper), 03. Dat Feelin´ (Dave, Anderson, Harold), 04. Black Hole (Dave, Palladino, Harold), 05. 2N1 (Dave, Palladino, Harris, Sharkey), 06. Spread her Wings (Dave, Poser, Farris, Coifed, Oliver), 07. Whatever (Dave, Stewart, Husain), 08. Sensitive Garantie (Foster, Palladino, Dave), 09. Cosmic Intercourse (Dave, Williams, Benjamin), 10. Atlanta, Texas (Williams, Dave, Mohlabane, Husaren), 11. Destiny in Stereo (Dave, Powers, Coleman, Roberson, Sample), 12. Clear View (Anderson, Farris, Dave, Palladino), 13. Job well done (Wise, Farris, Dave, Feingold),  14. Lady Jane (Pasqua), 15. Trippy Tipsy (Dave, Sharkey, Palladino)



Chris Dave - dr, perc, voc, Cleo Sample, James Poyser - keyb, Isaiah Sharkey - g, Pino Palladino - bg, Sy Smith, Marshall York, Rozzi Daime, Sir Darryl Farris, Leolin Dockins, Tiffany Gouche - voc, RC Williams - moog bass (2), Nick McNack - bg (4,9,12), Marcus Hodge - org (3,10), Robert Glasper - p, ep (2), Keyon Harrold - p, tp, voc (3, 4), Marcus Strickland - ts, vcl (3, 15), Melvin, Watson - g (4), Tim Stewart - g (10), Andre Harris - keyb (5), Casey Benjamin - voc (9), Kebbi Williams - fl, ts (10), Gregoire Maret - harm (10), Michael Feingold - sitar (13), 
Anderson.Paak, Bilal, Tweet, Kendra Foster, Stokley Williams, Phonte Coleman, Eric Robertson, Anna Wise, Sir - rap voc

rec. 2015 (?)

Blue Note 00602537794409

Wie oft haben wir das schon erlebt?
Dass ein im Jazz als großer Instrumentalist ausgewiesener Künstler in irgendein Popfach wechselt - und dort unter Leugnung seiner typischen Eigenschaften untergeht.
Chris Dave, 44, aus Texas ist der jüngste in einer ganzen Kette vergleichbarer Fälle, über viele Jahre. Chris Dave ist godfather des New Gospel Drumming, eine Spielart des funk Trommelns, das er aus dem von den meisten anderen befolgten Triolen-Bett befreit und zu einem Free Funk im wahrsten Sinne entwickelt hat.
Chris Dave setzt Akzente an verwegenen Stellen - und es groovt immer.
Er hat in der Tat in der Kirche zu spielen begonnen, ist von der R&B Band Mind Condition Ende der 90er über Kenny Garrett zum Jazz gelangt und hat bei Robert Glasper ein absolutes Meisterstück hingelegt.
Unübertroffen die Performance des Glasper Trios in Paris, in einem YouTube-Video
 (noch immer) fälschlich als „Live at the Village Vanguard“ gepostet.
Inzwischen schlägt Chris Dave „ein neues Kapitel in der Musikgeschichte auf“. Wenn diese Wertung in den Verlautbarungen großer Labels auftaucht, ist große Vorsicht angebracht. Meist werden darunter nicht künstlerische Errungenschaften verstanden.
Es mag ja sein, dass „21“ von Adele ein „Meilenstein“ ist und „Purpose“ von Justin Bieber ein „Nr-1-Dance-Pop-Shmasher“. Fraglich aber, ob die schlichten Handreichungen vom Schlagzeug dabei eines solchen Überfliegers bedürfen.
Aber, man war ja vorgewarnt. Als Chris Dave 2011 auf dem Moers Festival erschien, mit einem Personal, das sich hier stellenweise wiederfindet (insbesondere Pino Palladino, bg), da konnte man bereits jenes Ungleichgewicht bemerken, das hier die Konturen einer extremen Schräglage aufweist: ein Hochtalent, das über kein ausgereiftes Gruppenkonzept verfügt, jedenfalls keines, das seiner Origialität als Instrumentalist entspricht.
cover drumhedzMit diesem Album hat Chris Dave zudem das Genre gewechselt.
„Chris Dave and the Drumhedz“ hat nur noch am Rande mit Jazz zu tun, es ist Rhythm & Blues, und mag als solcher beurteilt werden.
Aber selbst auf diesem Sektor reicht die Qualität des Konzeptes nie an den (früheren) Ruf, an die Errungenschaften des Bandleaders heran.
Vom ersten Moment an erinnert das Gewusel aus Telefon- und Anrufbeantworterstimmen, allesamt in den großen Hall-Topf gefallen, an „7 Years ago…Directions in smart-alec Music“, das wegweisende R&B-Album des damaligen Miles Davis-Bassisten Foley, 1991.
Nur, dass jener damals einen radikaleren Zugriff wagte.


Die andere große Referenz ist Dave´s alter Bandleader Robert Glasper. In einem Stück, „Universal Language“, wirkt er auch mit an Piano und Fender Rhodes, ohne weiter aufzufallen.
Die meisten Stücke aber folgen dem Strukturmodell seiner Songs, mitunter meint man sogar, seine Stimme zu hören. Aber weder singt noch spricht er, sondern ein Großaufgebot angesagter afro-amerikanischer Vokalisten.
Zwei Stücke fallen aus dem Rahmen, sprechen die drumhedz (drumheads, Schlagzeugkenner) an; beide erlauben noch eine kleine Vorstellung davon, wer hier am drumset sitzt: „Spread her Wings“ und „Atlanta, Texas“. In beiden pumpt Chis Dave die Balladen mit drum-Interventionen im dub-Stil auf, mehr als notwendig.
Es sind Hinweise auf die Herkunft eines Musikers, dessen Größe auf keinem Tonträger angemessen dokumentiert ist.

erstellt: 12.01.18
©Michael Rüsenberg, 2017. Alle Rechte vorbehalten