Die Jazzpolizei hat in Jahrzehnten etliche, die der Landessprache nicht mächtig sind, über den einstigen deutschen Jazzpapst reden hören.
Alle, ausnahmslos alle, haben sich mit einem mehr oder weniger genuschelten Joakkim Örnst Börentt gut aus der Affäre gezogen.
Man wusste, wen sie meinen.
Dass ausgerechnet Richard Williams, der scheidende Chef des Jazzfest Berlin, von seinem allerersten Vorgänger als „Hans-Joachim Berendt“ spricht, kann die Jazzpolizei deshalb einfach nicht glauben.
Dass dies im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung geschieht (26.10.17), entbehrt nicht einer pikanten Note. Gehen doch von dort nicht selten gewagte, von niemandem sonst geteilte Auffassungen zum Jazz in die Welt.
Bislang waren das Einschätzungen, Wertungen - nun aber geht es auch um Fakten.
Williams verwechselt den Vornamen im Rahmen einer Frage, wie es nun weiter gehe.

„Ich höre auf. Das ist mein letztes Jahr“.

„Warum?“

„Ich bin 70. Das Jazzfest wurde eigentlich immer von Männern meiner Generation geleitet. Der Gründer Hans-Joachim Berendt war nur zwanzig Jahre älter als ich. Es wird Zeit, dass jemand Jüngeres drankommt.“
Mhm. Ein kurzer Wikipedia-Blick zeigt, dass die Arithmetik hier nicht stimmt.

Berendt war nicht „nur“ 20 Jahre älter als Williams, sondern 25.
Er hat die Leitung des Festivals 1971 im Alter von 49 Jahren niedergelegt bzw. niederlegen müssen.
Die These von den „Männern meiner Generation“, vulgo von den alten Männern, ist am Beispiel JEB gerade nicht zu belegen.
Mag sein, dass Richard Williams während des Interviews die Altersdaten durcheinander gebracht hat, der irritierende Umgang mit der Konjunktion „nur“ dürfte ihm kaum unterlaufen sein.
Ein gutes Feuilleton hätte uns diesen Wirrwarr erspart.

erstellt: 26.10.17
©Michael Rüsenberg, 2017. Alle Rechte vorbehalten

PS (29.10.17): JC-Leser Hans-Ulrich Spiegel aka Ulrich Spiegel macht darauf aufmerksam:
die taz war schon früher dran. Am 7.2.2000 spricht sie im Vorspann eines Artikels von Hans-Joachim Berendt -im eigentlichen Text dann wie gewohnt von JEB.