Lange nicht mehr eine so vergnügliche, treffende, sachliche Kritik gelesen wie am 19.11. von toš im Standard.
Er/sie berichtet über Chick Corea solo im Konzerthaus, Wien.
Zunächst wird der Unterschied zu Keith Jarrett solo herausgestellt.
Aber ob die Misanthropie des Größeren der beiden danach immer noch ablehnungswürdig bleibt, erscheint nach diesem Satz doch fraglich:
„Er (Chick Corea) bittet Menschen auf die Bühne, um – inspiriert von deren Gesichtszügen – Porträts zu improvisieren. Es dürfen zudem Jung und Alt mit ihm vierhändig musizieren, auch erzählt Corea freigiebig aus seiner Vita.“
Möchte man das wirklich hören?
Später gleitet CC - im Gegensatz zu KJ - von der Klassik in den Jazz, überführt zum Beispiel das Adagio aus der Klaviersonate Nr. 12 in F-Dur KV 332 von Mozart in „The Man I love“ von Gershwin.
Zum Schluß erscheint der Klarinettist Richard Stoltzman an Corea´s Seite:
„Für ein Stück tat man sich zusammen, es war sympathisch.“
Über den anschließenden Satz freilich kann sich die Jazzpolizei pausenlos beömmeln:
„Vom Musikalischen dieses Duetts hingegen lässt sich gut schweigen. Ansonsten toller Abend.“
Ist das Wiener Schmäh?
Auf jeden Fall ist es Wittgenstein revisited („wovon man nicht reden kann, davon soll man schweigen.“)

 

erstellt: 20.11.18
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