Die Stimmen mehren sich. Und die Jazzpolizei ist fast versucht, eine eigene Kategorie „Kamasi bashing“ dafür einzurichten.
Quellen bzw. Autoren werden freilich kaum unter Journalisten (die meisten von ihnen stehen stramm), sondern unter Musikern zu finden sein.
Den Auftakt machte neulich Wolfgang Schmidtke, Tenorsaxophonist aus Wuppertal („langweilig, langweilig, langweilig; eine mäßige funkband, die sich an james brown und herbie grooves versucht, aber es knackt nie“).
Jetzt gesellt sich ein prominenter dazu: Darius, einer der Söhne von Dave Brubeck.
Darius Brubeck lebt seit Jahren in England, er ist ein Gentleman.
Und so äußert er sich auf Facebook zurückhaltend, aber doch präzise im Urteil über seine Höreindrücke von der TV-Übertragung eines spezifischen Konzertes vom Glastonbury Festival.
Darius ist zu vornehm, um Namen zu nennen. Aufklären aber möchte er diejenigen, die vielleicht „unvertraut“ sind mit Jazz, dass es andere Arten des Jazz gibt als die, die sich ihm so unangenehm aufgedrängt hat:
„schlecht gestimmte Bläser, die stupide Linien so laut wie möglich spielen, ohne jede dynamische Variation oder Nuance“.

Brubeck facebook


Mhm. Wer mochte so gespielt haben?

Wer sich durch die Programme der zahlreichen Bühnen eines der größten Festivals der Welt gewühlt hat, in dem reift ganz langsam ein Verdacht.
Jeff Goldblum, soviel räumt Darius ein, ist es schon mal nicht, denn der spielt bekanntlich nicht Saxophon.
Der Verdacht wird drängender und drängender…
Unter den nicht eben zahlreichen Kommentaren befindet sich auch einer von Steve Beresford, einem der wunderbaren Scherzkekse des britischen Jazz, der einräumt das, was Darius missfällt, außerordentlich zu lieben - und wo er mehr davon kriegen könne.
Was also, stimmt unser Verdacht?
Meint Darius Brubeck Kamasi Washington?
Wir fragen unseren Chefberater für alles Britische, Sebastian Scotney, von London Jazz News.
Und er antwortet: „Genau“

erstellt: 31.07.19
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