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…und wird nur von wenigen gehört.
Denn er spricht im Interview mit „virtuos“ (4/2019), der Mitglieder-Zeitschrift der GEMA.
Im engeren Sinne spricht er nicht; er sitzt am Computer seiner Frau und beantwortet die Interview-Fragen per email.
„Vor vielen Jahrzehnten“ nämlich habe er „intuitiv die Möglichkeiten des Internetzes als Segen, aber auch als Fluch gesehen und die ahnungslose Preisgabe persönlicher Informationen verweigert“.
Leider verlässt Paul Lovens eine solche Weitsicht, wenn es darum geht, Mitteilungen aus allernächster Nähe zu machen, aus seinem Genre, aus der Freien Improvisation.
Diese Art der Musik heisst nach seinen Worten so, „weil dort nicht zu einem musikalischen Material improvisiert wird, oder darüber: davon ist sie frei“.
Seine Erklärung ist frappierend: „Ein Ton wird gespielt, ein zweiter und dritter, und schon zeigt sich eine Richtung.“
Die Jazzpolizei wird die Musikphilosophie anweisen, die Ontologie der Frei-Improvisierten Musik neu zu schreiben. Töne gehören hinfort nicht mehr zum musikalischen Material.
Preisträger-Interviews unterstellen den Befragten einen Arrivierten-Status, sie enthalten deshalb gerne Fragen nach deren Förderung des Nachwuchses.
Der Albert Mangelsdorff-Preisträger 2019 gibt keinen direkten Unterricht, wird aber nach Konzerten gerne um Rat gefragt.
In solchen Fällen erteilt Paul Lovens eine Antwort, die man ganz woanders lokalisieren möchte, vielleicht in der Schwarzen Pädagogik, nicht jedoch in einem sich kollektiv gebenden Genre wie der Freien Improvisation:
„Dann kann ich nur sagen: ich habe gerade fast zwei Stunden für sie gespielt. Wenn sie gut aufgepasst haben, dann sollte ihnen das eine ausgiebige Gratis-Lektion gewesen sein.“

erstellt: 19.12.19
©Michael Rüsenberg, 2019. Alle Rechte vorbehalten