Das Winterjazzfest (8.-18.01.) halten nicht wenige für das bedeutendste Jazzfestival in der Welt.
Insbesondere im „Marathon“ (10./11. sowie 17.01.), wenn zig jazzacts die Clubs und Hallen von New York City überfluten, ist die Vielfalt nicht mehr zu bändigen und schon gar nicht mehr akustisch zu fassen.
Das Festival öffnet sich auch diesmal wieder dem Diskurs.
Themen wie Soziale Gerechtigkeit, Genderfragen - logo - werden debattiert.
Der Schwerpunkt in 2020 liegt aber - fasten seatbelts - auf:
alternative und nicht-traditionelle Zugänge zu Wellness in der Musik“.
Einer der Teilnehmer trägt wenigstens schon mal den richtigigen Nachnamen:
der Schlagzeuger, Rapper, Produzent Kassa Overall (klingt das nicht wie eine Ableitung aus „all inclusive“?)
Eine halbe Stunde später am 11.01.folgt Laraaji unter dem Motto
Laughter is the best Medicine“.
Und wer nun schlicht übersetzt und profan sich zurückversetzt fühlt zu „Lachen ist die beste Medizin“ von Heinz Erhardt (1909-1979), dem setzt es was.
Laaraji bietet immerhin „a guided experiential, interactive, uplifting laughter playshop with call & response chanting, therapeutic laughter-crises, extended laughter, and deep relaxation to live music“ - was hätte der Olle mit der Hornbrille aus Germany dagegen ausrichten können?
Bei dem saß man bestenfalls eingepfercht in Kinostühlen, Laraaji rät zu „bequemer Kleidung“. Auch eine Yogamatte ist empfohlen.
Webster Hall 1Auf dem Panel zu „Is Jazz good to your health?“ sitzen immerhin zwei Deutsche, nämlich Theo Bleckmann, voc, und Tobias Meinhart, sax.
Am Folgetag ist eine Art US-Pendant zur Robert Enke-Debatte angesetzt. Die Jazzpolizei will nicht ausschließen, dass unter dem Leitmotiv „Destigmatizing & Deconstructing Substance Abuse, Addiction, Depression & Mental Health in the Music Industry“ tatsächlich vorhandene Probleme erörtert werden.
Was der ständig aufgekratzt kritische Robert Glasper auf einem „Wellness Benefit for Musicians“ darzubieten gedenkt (s. Plakat), bleibt fraglich.
Die Jazzpolizei hört förmlich schon die kehligen Wellness-Bekundigungen auf die Frage, wenn Glasper, Martin, McCraven & Co die Bühne betreten haben:
„how´re doing?“

erstellt: 20.12.19
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