17. August 1960:
die Beatles treffen in Hamburg ein.
Die Beatles, das waren damals John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Stucliffe und Pete Best, spielen am selben Abend im Indra Club, ihr erster von zahllosen Gigs auf der Reeperbahn bis zum Dezember 1962.
17. August 2020:
Julia Hülsmann, p, Nils Wogram, tb, (mit dem die Pianistin noch nie gespielt hat) sowie Christopher Dell, vib, auf der Bühne der Elbphilharmonie.
Mithin eine gediegene, repräsentative Auswahl des gegenwärtigen deutschen Jazz, unter dem Motto „Come together“ (Homage to „The Beatles“).
Verwegener wäre gewesen, Gunter Hampel dazu zu bitten.
Gunter Hampel (in wenigen Tagen wird er 83) hat wohl als einziger deutscher Jazzmusiker die Beatles seinerzeit auf der Reeperbahn live erlebt (weil er von nebenan, wo er instrumental tätig war, mal ´reingeschaut hat), im Kaiserkeller.
Aber, Julia Hülsmann kann Beatles. Deutlicher Beleg dazu sind die Aufnahmen vom Deutschen Jazzfestival 2016, wo sie mit ihrem Quartett die Beatles geschickter auseinandernimmt und wiederaufbaut als der headliner jenes Festivals, Django Bates mit seinen Sgt Pepper-Bearbeitungen.
In der Elbphilharmonie kommen Julia und ihre Männer nur zögernd in die Gänge.
„Norwegian Wood“, arrangiert vom sonst so quirligen Dell, wirkt so staatstragend, dass man unversehens den Buchsbaum als Requsite auf der Bühne vermisst. Das Arrangement eignete sich gut als Begleitung für einen Gedanktag etc.
Bei „Paperback Writer“ und erstaunlicherweise „Yesterday“ kommt Musik in die Beatles, Jazz-Feeling, Jazz-Akkorde, in „Can´t buy me Love“ wird sogar das Metrum aufgelöst.

Das Konzert vom 17.08.20 wird auf YouTube gestreamt.
Einem Bericht von Ulrich Stock auf ZeitOnline
 kann man entnehmen, dass die gleiche Anordnung ein paar Tage später, nun aber zweimal vor wohl-dosiertem Publikum, erheblich lebendiger gewirkt haben muss.
Allein die Schlußverbeugung der drei MusikerInnen am Bühnenrand, am 17.08., stumm wie die Nacht - kaum auszuhalten.
Hulsmann HH Beatles 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Der 17.08.20 war ein Test für den 23.08.20.
Das Motto der Konzerte „Come together“ über die Homage an die Fab Four hinaus ein Aufruf, in Corona-Zeiten langsam und vorsichtig wieder in die Gänge, pardon auf die Sitzplätze zu kommen.
Das vermehrte Üben, Ausprobieren, Komponieren, mit den viele MusikerInnen die Bühnenzwangspause während der vergangenen sechs Monate ausgefüllt haben -
Nils Wogram hat sie zu einer Verfeinerung seiner Technik genutzt: 48 Jahre nach Albert Mangelsdorff gibt er sein erstes Solo-Konzert.
Er begibt sich dazu in seine Nachbargemeinde, in das Atelier Klang und Raum in Uetikon am Zürichsee.
Und kurioserweise am 17.08.20, wo er doch in persona an der Elbe weilt, geht das entsprechende Video online.
Wogram Uetikon 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

erstellt: 25.08.20
©Michael Rüsenberg, 2020. Alle Rechte vorbehalten