Wieder nix...

Ok, ok, die Jazzpolizei kommt ein wenig spät.
Aber, sie beteuert, sie hat, wie immer, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS, 06.12.20)) gelesen. Also auch das Ranking der „Kulturpersonen des Jahres“.
Die drei Topplatzierten (Swetlana Alexijewitsch aus der Ukraine, Francesca Bria, die kritische Digitalexpertin sowie Christian Drosten), die allein drei Viertel der Seite einnehmen, hat sie zustimmend zur Kenntnis genommen.
Geht in Ordnung - sowieso - genau!, um noch das Henscheid-Zitat-Soll für das ablaufende Halbjahr zu erfüllen.
Kurz vor dem Abflug ins Altpapier ein flüchtiger Blick auf den unteren Rand der Seite: Platz 52, an letzter Stelle, „Andreas Reckwitz, Soziologe“.
Auf demselben Rang: „Mady Morrison, Fitnesstrainerin und Youtuberin“.
Waitaminute, Andreas Reckwitz, der wohl meistdiskutierte deutsche Soziologe, dessen Buch „Das Ende der Illusionen“ in weniger als einem Jahr die siebte Auflage erreicht, von gleicher Relevanz wie…wie heißt sie noch gleich?
Und dann kommt die Jazzpolizei aus dem Staunen nicht heraus: Lady Gaga knapp vor Hölderlin, noch eine „Fitnesstrainerin und Youtuberin“ (42, Pamela Reif), Igor Levitt, na klar, auf 20, gleichrangig mit…„Marie Kondo, Aufträumberaterin“.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, immerhin, bringt es auf Platz 12.
Herrschaften, was ist denn das für ein Pandemonium!

Und kein Jazzmusiker weit und breit, kein Till Brönner, der es doch, wenn auch nicht mit der Trompete und nicht mal in eigener Sache, zu einem Sesselplatz neben Kanzleramtschef Braun bei „Anne Will“ gebracht hat!

Ist das noch „Feuilleton“ oder ist die Batterie unseres Satiredetektors leer?

erstellt: 08.12.20
©Michael Rüsenberg, 2020. Alle Rechte vorbehalten