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Der Standard aus Wien kommt spät, um den fünfzigsten Jahrestag der Veröffentlichung von „Bitches Brew“ zu feiern. (am 9.6.20)
Der Standard kommt früh, er ist möglicherweise sogar der erste, um George Floyd irjenswie in eine Jazzbetrachtung hinein zu fieseln.
Und das geht so:
„Der Erstickungstod von George Floyd in Minneapolis, Ergebnis brutaler, rassistischer Polizeigewalt, hätte Cool-Trompeter Miles Davis womöglich in geringes Erstaunen versetzt.“
Dieser Eröffnungssatz verlangt geradezu nach einer Antwort aus dem Bereich „historical fiction“.
Aber, was folgt?
„Davis (1926–1991), daran gewöhnt, die Jazzmusik etwa alle fünf Jahre komplett umzukrempeln, war Amerikas spektakulärster Hipster.“
Und der dritte Satz lautet:
„Er hatte der afroamerikanischen Musik eine vordem für undenkbar gehaltene Eleganz verliehen.“
Es fällt schwer, das Rassismus-Argument, das man sich für ernste Fälle reserviert hat, auch weiterhin im Zaum zu halten.
Es fällt leicht, einen solchen Beitrag einfach nicht weiterzulesen.

erstellt: 10.06.20
©Michael Rüsenberg, 2020. Alle Rechte vorbehalten