Bald 50 Jahre nachdem am Niederrhein ein Ort auf die Landkarte der zeitgenössischen Musik sich setzte, dem bis dahin niemand dies zugetraut hatte (Moers), wird sich Nämliches in gewisser Nachbarschaft wiederholen. Flußaufwärts, rechtsrheinisch und in größerer Nähe zum Strom.
Monheim heißt das Städtchen, mit 40.000 Einwohnern, begrenzt im Westen vom Fluß, im Norden von Düsseldorf, im Osten von Langenfeld, im Süden von Leverkusen.
Die „Hexe von Neuss“ ward hier geboren vor langer Zeit (1310), sehr viel später der Helge Schneider-Begleiter Buddy Casino (1955), der Choreograph Joachim Schlömer (1962), am nachdrücklichsten strahlt der Ruhm, wenn auch lange schon aus Hamburg, der Schriftstellerin Ulla Hahn (1945).
Monheim hat also noch viel Potenzial nach oben.
Und dass sich das entfalten wird, hängt mit dem politischen Standort der Gemeinde ab, in der seit 2009 ein Mitglied einer Jugendpartei den Bürgermeister stellt, Daniel Zimmermann von PETO (lat = ich fordere), seit der Kommunalwahl 2014 mit einem CSU-Wert von 65,6 Prozent.
Michalke pic 1Im Frühjahr 2017 trifft Zimmermann sich mit einem Altvorderen der Improvisierten Musik (oder „Aktuellen Musik“, wie er zu sagen vorzieht), der gerade die Leitung des Festivals in der niederrheinischen Ebene geschmissen hat: Reiner Michalke, 61, inzwischen Intendant des Stadtgarten Köln.
Michalke soll für Monheim eine Reihe planen, die den Moers-Rahmen stilistisch erheblich ausweiten wird.
Referenz, nicht Vorbild, ist das Big Ears Festival in Knoxville/Tennessee, wo Ashley Capps seit 2009 neben dem üblichen Jazzpersonal auch die ganze Garde der Minimal Music antreten lässt.
„Anders als in den Nachbarstädten Leverkusen und Düsseldorf, wo mit möglichst prominenten Namen ein regionales Publikum angesprochen wird, soll sich das Monheimer Festival der Herausforderung stellen, abseits des musikalischen Mainstreams, nur durch die Qualität von Musik und deren Inhalten Menschen zu faszinieren“, schreibt Michalke.
Erwarten könne das Publikum „daher eine Mischung aus improvisierter, komponierter und populärer Musik.“
K714Anders als in Knoxville wird es sich um eine Triennale handeln, die Monheim Triennale (an der Kölner Triennale in den 90ernff war Michalke auch beteiligt), erstmals 2020.
Das wird ein "Teaser" sein, der erste wirkliche Dreijahressprung beginnt 2023, mit der Fertigstellung der Stadthalle am Rhein (K714), einer ehemaligen Shell-Abfüllhalle mit einer Kapazität von 4.000 Sitzplätzen.
Der Budget beträgt laut RP satte 900.000 Euro, im Triennale-Jahr, in den Zwischenjahren je 200.000 Euro.
Michalke wird voraussichtlich ab Oktober als geschäftsführender Intendant beschäftigt, dazu zwei Mitarbeiter, von denen der eine schon aus Zeiten als Improvisor In Residence aus Moers erprobt ist: der Bassist Achim Tang.
Für ihn ist in Mo(ers)nheim bereits eine Wohnung reserviert, er soll "von dort aus als ständig präsenter Künstler Kontakte knüpfen zu Vereinen und Institutionen, um diese an das Festivalkonzept heranzuführen und gegebenenfalls einzubeziehen", wie der Bürgermeister sagt.
Der Kulturausschuß hat bereits zugestimmt (bei Enthaltung der SPD), Anfang Oktober wird der entsprechende Ratsbeschluß erwartet.

erstellt: 06.09.18
erweitert: 08.09.18
©Michael Rüsenberg, 2018. Alle Rechte vorbehalten