Der Mann hat Humor.
Wenn er zum Beispiel die Geschichte erzählt, wie er zum Saxophon fand.
Das entdeckt er nämlich im Alter von zehn Jahren bei einem Onkel. Er bläst hinein - und es kommt tatsächlich ein Ton heraus. Daniel Erdmann Jazzpreis 2020
Das Instrument nimmt er gleich mit, woraufhin, wie er trocken sagt, die Karriere des Onkels beendet und seine gestartet sei.
Das war in der niedersächsischen Provinz, Daniel Erdmann ist 1973 in Wolfsburg geboren.
Als er später mit der Familie nach Washington/DC umsiedelt, wechselt er nicht nur zum Tenor, sondern lernt außer Notenlesen auch andere Erfordernisse des Big Band-Spielens, etwa einen ordentlichen Krawattenknoten zu binden.
Offener Kragen, korrekt gebundene Krawatte, das ist sein Dresscode auf der Bühne.
Sein akustisches Markenzeichen, ein ruppig gespieltes Tenor der Berliner Schule (wie er es u.a. an der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler gelernt hat) und gerne auch im Trio „Das Kapital“ ausführt, es hat sich 2015 gewandelt in einen „weichen, samtigen, warmen Saxophon-Sound“ (Erdmann), sein „Klangideal für ein Trio“, für Velvet Revolution.
Dabei darf man gar nicht an Vaclav Havel und die samtene Revolution in Prag denken, sondern an ein ungewöhnlich besetztes Trio, das in Frankreich zu Hause ist.
Neben Theo Ceccaldi, Violine, finden sich darin zwei Wahl-Franzosen: der aus England stammende, in Colmar lebende Vibraphonist Jim Hart sowie Erdmann, der seinen Wohnsitz in Reims hat.
Wer Ceccaldi und Hart vor seinem akustischen Auge hat, ahnt, dass dieses Trio wenig samt-kuschelig ausstaffiert ist.
„Mit Daniel Erdmann gewinnt ein Musiker den SWR Jazzpreis, der in vielfältigen Projekten dem europäischen Jazz neue Wege weist. Charakteristisch ist die Fülle und robuste Wärme seines Sounds, herausragend die Dringlichkeit seines Spiels“, sagt die Jury des Preises.
Die ihn damit wieder in die Mitte der Landschaft stellt, die als Jazz zweifelsfrei kartographiert ist.
Zum 40. Male wird heuer der SWR Jazzpreis verliehen, dotiert mit 15.000 Euro und gemeinsam gestiftet von der Rundfunkanstalt sowie vom Land Rheinland-Pfalz.
Das Preisträgerkonzert findet, wie üblich, im Rahmen von Enjoy Jazz statt, am 28. Oktober (dem 47. Geburtstag von Erdmann) in Ludwigshafen.

Der Preisträger tritt mit Velvet Revolution an sowie mit der Pianistin Aki Takase, einer Partnerin aus Berliner Zeiten.

Foto: Dirk Bleicher/SWR
erstellt: 22.04.20
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