PKs in Mo & Mo…

…pardon, diese Mini-Alliteration dürfen wir uns einfach nicht entgehen lassen.
Zumal die bewegende Kraft hinter Wandel & Ortswechsel einer Festivalkonzeption, vom linken zum rechten Rheinufer, ein und dieselbe Person ist: Reiner Michalke, Chef des Moers Festivals 2006-2016, nunmehr in derselben Funktion für die Monheim Triennale tätig.
2021 gab es, Pandemie-bedingt, als Vor-Echo ein Triennale-Prequel, jetzt folgt, vom 22. bis 26. Juni 2022, das Festival in der Hauptsache. Geografisch schon am Ziel, an Rheinkilometer 714, aber noch nicht am endgültigen Ort, der Kulturraffinerie K714. Sondern einstweilen wieder auf einem Ausflugsschiff, der Rhein Galaxie, die derzeit noch in den Niederlanden im Dock den letzten Schliff erhält.
Die Programm-Pressekonferenzen von Mo & Mo könnten gegensätzlicher nicht sein.
MT2022 Pressekonferenz niclasweber 13Während man sich am linken Niederrhein als Moersland begrifflich und visuell in Schräglage bringt, tagt die PK Monheim Triennale erneut im „Goldenen Hans“. Das klingt nach Heinz Strunks „Goldenem Handschuh“, ist mit Sicherheit weit weniger gefährlich, teilt mit dem Hamburger Etablissement vermutlich aber die Inneneinrichtung von Sperrmöbel-Charme.
In diesem Ambiente nennt der Bürgermeister der Stadt, Daniel Zimmermann, 39, auf die Frage nach dem Budget des Festivals die Zahl 1.5 Mio. Er tut das so leise, dass der Fragesteller um erneute Nennung bittet.
1.5 Mio Euro für ein Festival (alle drei Jahre), und das in einer Stadt, die von der Einwohnerzahl her nicht mal die Hälfte von moersland ausmacht. Aber schuldenfrei ist.
(Was 21 Stadtkämmerer in den Gemeinden ringsum nicht so erfreulich finden, weshalb sie sich gegen die Ursache des MO-Reichtums, die geringen Gewerbesteuern, zusammengeschlossen haben.)
Im Gegensatz zu Mo (linksrheinisch) ist der Bürgermeister der leiseste im „Goldenen Hans“.
Im Gegensatz zu Mo (linksrheinisch) sitzt der Festivalleiter in Mo (rechtsrheinisch) aufrecht, er spricht zurückhaltend und überlässt weitgehend einem der 16 eingeladenen Künstler das Wort, die mit „Signature“-Projekten eingeladen sind.
Es ist Shahzad Ismaily, Schlagzeuger, Gitarrist, Keyboardspieler aus New York, der schon zu Michalkes Moerser Zeiten präsent war. Er macht die Pressekonferenz zu seiner Sache, genauer: zu einer Performance, gegen die niemand im Raum Einwände hatte, denn niemand dürfte zuvor wohl eine solche Pressekonferenz erlebt haben.
Ismaily schildert eindrücklich, wie und warum er, ein Mensch von last-minute-Entscheidungen, die Einladung in Form des Freibriefes „dream!“ gar nicht erfüllen konnte.
Eigentlich weiß er noch immer nicht, was er in ein paar Wochen auf der „Rhein Galaxie“ von seinen Träumen umsetzen soll - lässt zugleich aber niemanden im Unklaren, dass ihm sicher etwas einfallen wird.
Und sei es, dass er sich in den Kreis der anderen 15 „Signature“-Künstler begibt.


MT2022 Pressekonferenz niclasweber 5Zwei von ihnen erklärten dazu bereit. Sie waren per Stream zugeschaltet:
die Sängerin Sofia Jernberg aus Stockholm und die DJane (ist das so korrekt?) Hibo Elmi aus Kampala. Uganda.
Hibo (Foto) verblüfft mit umwerfenden Humor. Sie habe eine Stunde an der Internetverbindung gebastelt, denn, you know „I live in the future“.
Dann übernimmt weitgehend Shahzad die Regie.
Er war schon letztes Jahr in Monheim, er schildert die Vorzüge des Ortes, die man aus dem „Goldenen Hans" nicht  so recht erkennen kann. Er mag die Menschen hier, er mag die Deutschen insgesamt (sie seien sehr spontan), er hat tolle Erfahrungen mit Schülern vor Ort.
Das alles summiert sich zu einem Plädoyer für Musik, worin auch Evolutionstheoretiker die „social bonding“-Funktion von Musik bestens untergebracht sähen.
Und damit´s ihm (und uns) nicht zu langweilig wird, fordert er gezielt PK-Besucher auf, ihm eine Frage zu stellen, zum Beispiel die Dame mit der pinken Bluse in der ersten Reihe.
Die Monheim Triennale zeichnet sich als ein Festival  in konkreten Umrissen ab, bei dem die Beteiligten nicht an- und wieder abreisen, ohne die anderen erlebt zu haben. An dem, das zeigt sich auch beim Blättern im Programm, große Signaturen nicht allein von den „Signature“-Künstlern zu erwarten sind, sondern auch aus der Riege der von jenen Mitgebrachten.
Bei Sofia Jenberg z.B. wirkt auch Peter Evans, tp, mit, eine Attraktion aus sich selbst. Und das Ensemble Resonanz, „eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen“.
Das wird nicht erwähnt, das muss man online nachlesen.

erstellt: 11.05.22
©Michael Rüsenberg, 2022. Alle Rechte vorbehalten