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CHICK COREA ELEKTRIC BAND To the Stars ****

1. Check blast (Corea), 2. Port View 1, 3. Mistress Luck - a portrait, 4. -the party, 5. Port View 2, 6. Johnny´s Landing, 7. Port View 3, 8. Alan Corday, 9. Port View 4, 10. Hound of Heaven, 11. Port View 5, 12. The Long Passage, 13. Port View 6, 14. Jocelyn - the Commander, 15. Port View 7, 16. Captain Jocelyn - Tribute by his crew, 17. Captain Jocelyn - the Pianist

Chick Corea -
keyb, Frank Gambale - g, Eric Marienthal - ss, as; John Patitucci - bg, Dave Weckl - dr, Gayle Moran - voc, Steve Wilson - as, Pernell Saturnino - perc

rec ?
in-akustik/Concord-Stretch SCD-9043-2


Titel & Design dieses Albums sind identisch mit dem gleichnamigen Buch von L. Ron Hubbard, dem führenden Scientologen. Da kommt keine Freude auf - was immer wieder eine schöne Koalition aus
Erwin Teufel und der deutschen, ach was der internationalen Jazzkritik entstehen lässt.
Wir machen es kurz und schliessen uns an diesem Punkt
John Walters im Guardian an, der für das Cover dieses Albums zu einem Sticker rät: "Dieses Albums enthält eine gefährlich hohe Dosis an Scientology".
Im Ernst, wer der Musaik "Scientologisches" ablauscht, ist selber schuld und sollte seine interne Festplatte neu formatieren.
Was man hört, und zwar bis track 6 einschiesslich und darüberhinaus, sind Ableitungen aus vertrauten, gedrechselten Corea-Themen, vorzugsweise "Armando´s Rhumba", dazu Sound-Pathos, der schwerlich aus dem 21. Jahrhundert stammt. Der Interaktionsgrad ist nicht gerade eindrucksvoll, das
tradin´ fours läuft stock-steif.
Bei "Johnny´s Landing" endlich dreht der Wind auf, und das 10:37 lang, ein Afro-Shuffle, der immer stärker in Richtung HiLife mutiert. Corea tippt das Thema im unisono mit Marienthal an, dann folgt eines seiner von timing & Phrasierung perfekten
Fender Rhodes-Soli. Zwischenthema, Auftritt Gambale, und der Herr Weckl gibt dem Wind mit schweren Vierteln Zunder. Pompöses Zwischenthema, der Groove wechselt schon wieder, Marienthal sanbornt sich einen weg - plötzlich jubeln obendrüber die abstürzenden Moog-Trauben.
Deja vu,
alles wie früher, die Band setzt da an, wo sie das Studio 1991 für "Beneath the Mask" verlassen hat. Kabinettstückchen auf kleinstem Raum, betörende Aufnahmetechnik, ein Angebot für viele Fraktionen - aber letztlich ein seelenloses Nudeln, John Walters spricht zurecht von einem "konzeptionellen Fegefeuer".
Selten hat man eine Band mit eigenständiger Sprache dermassen
maulfaul erlebt. Den Notarzt möchte man rufen, wenn Gattin Gayle Moran in "The Long Passage" einen vocal choir ausruft, oder bei den zahlreichen Instrumentalen Zwischenspiele des Gatten - in jeder Spielhalle hört man aufregendere Sounds.
Wer den Jazzrock-Verächtern Futter gönnen will - hier findet er es. Diese Band hat allenfalls im 21. Jahrhundert aufgenommen, konzeptionell angekommen ist sie dort nicht.
Wer eine
Elektric Band sucht, der Maniriertheit & Pathos weitgehend fehlt, die vom Groove her rundläuft, der muss sich immer noch an die letzte Vorstellung unter dieser Zeile halten, an "Paint the World" (1993), die Mannschaft mit Jimmy Earl, Gary Novak, Mike Miller und ..je nun, Eric Marienthal.

©Michael Rüsenberg, 2004, Nachdruck verboten