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Kategorie: CD reviews 2004

GERI ALLEN The Life of a Song ***** (Besetzung korrigiert)

1. LWB´s House - The Remix (Geri Allen), 2. Mounts and Mountains, 3. Lush Life (Strayhorn), 4. In Appreciation: A Celebration Song (Allen), 5. The experimental Movement, 6. Holdin´court, 7. Ance of the Infidels (Bud Powell), 8. Uncondiditional Love (Allen), 9. The Life of a Song, 10. Black Bottom, 11. Soul Eyes (Waldron)

Geri Allen
- p, Dave Holland - b, Jack DeJohnette - dr, Marcus Belgrave - flh, Dwight Andrews - as, Clifton Anderson - tb

re. 16./17.1.2004
in-akustik/Telarc CD-83598

Lange nichts mehr gehört von Geri Allen. 6 Jahre sind vergangen seit ihrem letzten Album "The Gathering", 10 Jahre seit "Twenty One". Und letzteres darf man hier schon der Besetzung wegen als Referenz heranziehen: "Twenty One" ist ebenso wie "The Life of a Song" ein Trio-Album (die drei Bläser treten lediglich bei "Soul Eyes" in Aktion).
Der Schlagzeuger damals:
Tony Williams! Das erschwert den Vergleich und legt die Latte höher. Nichts gegen Jack DeJohnette. Aber seine langjährige Mitgliedschaft in einem optimal eingestellten Trio (mit Keith Jarrett und Gary Peacock) kann man nicht vergessen machen, wenn er nun im selben formalen Rahmen anderen Inhalten sich zuwendet.
Der Auftakt ist sehr Allen-like, ganz so, wie wir die - auf dem Cover gestylte -
Yoruba-Prinzessin aus Detroit (jetzt New Jersey) in Erinnerung haben: ein suggestives, "afrikanisches" Thema in Form eines 2-Takte-vamp. "LWB´s House - The Remix" ist dem ältesten ihrer drei Kinder (mit Wallace Roney) gewidmet, Laila. "Remix" darf rein gar nicht so verstanden werden, wie es da steht; lediglich dass die Familie komplett sei, ist damit gemeint. So suggestiv der A-Teil, der B-Teil fällt ab, und irgendwann unvermittelt zieht sie das Tempo an, ohne dramaturgische Folgen.
In "Lush Life" fällt dann zum ersten Male die rhythmische Begleitung auf, so recht
weder Fisch noch Fleisch; Jack DeJohnette hat in vergleichbaren Lagen schon ganz andere Einfälle produziert.
"In Appreciation: A Celebration Song", glänzt wieder mit einem
riff-Thema und "Motown/Jazz-Feeling" - aber auch hier kann unsereins Jack DeJohnette nicht hören, ohne zu imaginieren, was Tony Williams aus diesem part gemacht hätte.
"Holdin´ Court", zwei Stücke weiter, erneut ein riff-Thema, über 4 Takte. Und hier endlich bieten Holland & DeJohnette eine rhythmisch originellere Lösung an, indem sie den jeweils 4. Takt nicht binär, sondern
ternär (als swing) ausführen.
Hier ist Geri Allen sich selbst am nächsten, jedenfalls jener Geri Allen, die wir aus der Vergangenheit schätzen. Unverkennbar nämlich, dass sie sich in einer Periode der stilistischen
Umorientierung befindet, unter partieller Aufgabe einst signifikanter Merkmale. Das wurde deutlich bei ihrer Solo-Tournee im Frühjahr 2004, das setzt sich hier fort, und man darf gespannt sein, ob z.B. das Abrücken von "afrikanischen" Formen sich auch bei ihrer jüngst gegründeten Electric Band fortsetzt.
Die Umorientierung legt mehr
Herbie Hancock und McCoy Tyner in ihrem Spiel bloss, sie geht einher mit Einbussen pianistischer Prägnanz und rhythmischer Kraft. Ein Groove-Stück wie "Black Bottom" etwa kann man erneut nicht hören ohne Imagination dessen, was ein Tony Williams daraus gemacht hätte - welches Feuerwerk der hinten abgebrannt hätte.

©Michael Rüsenberg, 2004, Nachdruck verboten