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JOHN TAYLOR Angel of the Presence ******

1. Up too late (Swallow), 2. Dry Stone (John Taylor), 3. In Cologne, 4. Sweet Dulcinea (Kenny Wheeler), 5. Vaguely Asian (Swallow), 6. Fable (John Taylor), 7. Afterthought, 8. Intro to no particular Song (Kenny Wheeler)

John Taylor - p, Palle Danielsson - b, Martin France - dr

rec 17. + 18.10.2004
ZYX/CamJazz CAMJ 7778-2

Nach einer Exkursion mit
Marc Johnson ("Rosslyn", 2002) hat John Taylor wieder auf seinen langjährigen Bassisten Palle Danielsson zurückgegriffen. Auch Posten des Schlagzeugers ist neu besetzt: nach Joey Barron und davor - jahrelang - Peter Erskine nimmt nun Martin France Platz.
Es erwartet ihn dort keine leichte Aufgabe. Schlagzeuger bei
John Taylor, in dessen von rubato und gebrochenem swing geprägten Musik, müssen ihre Freiheiten zu nutzen wissen. Bei Martin France ist man dabei an keiner schlechten Adresse; er hat sich im Laufe der Jahre enorm entwickelt und schliesslich lange die Komplexitäten eines Django Bates mitgestaltet. Martin France nun in einem dezidiert Jazz Kontext und weniger von Skurrilitäten geprägten Kontext - das ist die schöne Ausgangslage dieser Produktion.
Man hört also aufmerksam und ist gewillt, Vorschusslorbeeren wirken zu lassen. Der Piano-Klang des John Taylor, seine Anschlagskultur, seine farbreiche Harmonik, sie klingen elegant wie immer. Die Stücke haben ihre subtilen Fallstrücke: "Dry Stone" mit seinen versteckten Bezügen zu
Wayne Shorter´s "Nefertiti", "In Cologne" (wo Taylor seit Jahren den Jazz-Piano-Professor in gibt) mit seinen verschiedenen Ausformungen eines 3/4-Metrums, Steve Swallow´s "Vaguely Asian" mit seinen irregulären, minimalistischen Motivketten.
Das ist grosse Kunst, durchgarbeitet, abgehangen, aber grosse Momente ergeben sich nicht daraus. Die Frechheiten eines
Jean-Michel Pilc, die Trio-Gottesdienste von Keith Jarrett, die gehauchten Darbietungen des doch sehr verwandten Marc Copland - sie alle mögen sofort und auch nach mehrmaligem Hören mehr für sich einnehmen als diese gediegenen 52 Minuten unter Leitung von Professor Taylor.
Kein "Engel", der hier "Präsenz" zeigte.

erstellt: 02.03.06

©Michael Rüsenberg, 2006, Alle Rechte vorbehalten