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SOFT MACHINE LEGACY Live at the New Morning *** (CD/DVD)

CD 1: 01. Ash (John Etheridge), 02. Seven for Lee (Elton Dean), 03. 1212 (Hugh Hopper), 04. Baker´s Treat (Elton Dean)
CD 2: 01. Has Riff (Ratledge, Etheridge, Hopper, Marshall, Dean), 02. Kings & Queens (Hugh Hopper), 03. Sideburn (John Marshall), 04. Two down (John Etheridge, John Marshall), 05. Kite Runner (John Etheridge), 06. Strange Comforts (John Etheridge)

John Etheridge
- g, Elton Dean - saxello, as, ep; Hugh Hopper - bg, John Marshall - dr
rec 12.12.2005
inakustik 9076 CD (INAK 6458 DVD); LC-Nr 13921

Wer will, mag den Umständen nachgehen, die
Pat Metheny dazu verleitet haben, John Etheridge als einen der weltbesten Gitarristen auszugeben. Alle anderen werden es für ein Fehlurteil geradezu unterirdischen Ausmasses halten (wie manche heute zu sagen belieben), wahrscheinlich für das Produkt einer Verwechslung mit Allan Holdsworth. Etheridge war nicht nur dessen Nachfolger in der Original Soft Machine, sondern sondern klingt auch so, freilich in der Teebeutel-Aufguss-Version.
Man müsste dem guten Pat, möglichst incognito, das Intro zu "Has Riff" vorführen: mehr als fünf Minuten trudelt da ein Gitarrist einher, mit Fingerübungen, die vage einen Aufbau erkennen lassen, nämlich ihren Produzenten hinter einer
delay-Figur sich noch mehr ausruhen zu lassen. Bass und E-Piano beginnen etwas zu murmeln, das unsereins an "As if" aus dem Album "Fifth" (1971) erinnert. Und in der Tat, das bekannte 11/4-ostinato schält sich heraus. Die Rhythmusgruppe steht fest, das muss man sagen, aber was sich solistisch darüber tut, ist erbarmungswürdig - und nicht erst, als Elton Dean auf Schluss hin schnäbelt.
Hugh Hopper geht hernachs ans Mikrofon und nennt - auf Französisch - korrekt den Autoren: Mike Ratledge. Danach aber müssen die Nachlassverwalter (Legacy) einer grossartigen Idee es sich anders überlegt haben und setzen sich zu viert als Mit-Autoren hinter Ratledge, unter dem nun seltsamen Titel "Has Riff".
Ja, hat
riff, stimmt - aber wackelt und passt nicht. Sodann legt Hopper das nächste riff vor, "Kings And Queens", 1970 ein geradezu flehender Gesang von in der DVD-Edition, sollte nicht die alte Band nachspielen - aber warum, hätte ein guter Interviewer hier eingehakt, warum greifen sie dann diese beiden Stücke auf (an denen sie nur scheitern können)?
Was sie sonst aufbieten, hat in der Tat nichts mehr mit dem gleichnamigen Vorgänger zu tun, aber warum dann dessen Namen verwenden? Zumindest Hugh Hopper hat ist ja doch partiell, insbesondere mit
Polysoft, gelungen, den goldenen Zeiten eine Brücke ins Diesseits zu legen. Nicht selten hat man den Eindruck, als gestalteten diese vier älteren Herren, um die sechzig, nicht, sondern als schleppten sie sich durch ihr Programm. Es gibt ein Stück, "Kite Runner", das wie sein Gegenteil klingt: da fliegt nichts, da rennt nichts, das ist ein geradezu hundserbärmlicher Versuch, eine Funk-Nummer zustande zu kriegen.
In den Interviewteilen der DVD sagt Hugh Hopper, das Musiziern geniesse er heute weitaus mehr als damals. Das mag sein, die Pensionisten verstehen sich heute wohl prächtig, sie haben keinen
Ratlege im Nacken. Für den Zuhörer aber ist dies eine Aussage ohne Wert. Im Zweifelsfalls zieht er den am Gruppendruck leidenden Bassmann musikalisch vor.

erstellt: 23.06.06


©Michael Rüsenberg, 2006, Alle Rechte vorbehalten