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JIM BLACK & ALASNOAXIS Dogs of Great Indifference ********

1. Oddfelt (Jim Black), 2. Dogs of great Indifference, 3. Tars and vanish, 4. Spins so free, 5. Star rubbed, 6. Harmstrong, 7. Everybody says the same, 8. You know just because, 9. Desemrascar, 10. Harmsoft, 11. I am seven

Jim Black
- dr, Hilmar Jensson - g, Chris Speed - ts, Skuli Sverrison - bg

rec 30.10.-01.11.2005
Winter+Winter 910120-2; LC-Nr 02829

Das
Schöne an dieser Combo ist: sie fällt aus allen Jazz-Kontexten heraus. Und, das Schöne ist hier nicht schön im klassischen Sinne jedweden Kanons, sondern - um zunächst mal an der Oberfläche zu bleiben - es ist dreckig, hässlich, rauh & lärmt.
Dieses Alleinstellungsmerkmal kommt
Jim Black und seiner Truppe mit dem seltsamen Namen nun schon zum vierten Male zu. Im Unterschied zu den Vorgängeralben hat er das Instrumentarium reduziert - die stilistische Botschaft aber ausgeweitet und zugleich auf den Punkt gebracht wie nie zuvor.
Wäre das Wort vom "
Grunge Jazz“ nicht verbrannt (seit vor Jahren eine rheinische Kapelle ordentlich daran sich verhoben hat), es könnte durchaus passen, wenn auch - logo! - nicht alles erklären.
Andererseits, hier haben wir Jazzmusiker & Improvisatoren vor uns, es tauchen rhythmische Konstruktionen auf, die Grunge gar nicht will & kann:
schon im Eröffnungstrack ein
9/4-Takt, im Titelstück 3/4 und 4/4 in schwer nachvollziehbarem Wechselspiel, "Tars and Vanish" ist komplett poly-metrisch (verschiedene Betonungsordnungen übereinander), "Spins so Free" eine rubato-"Ballade" - Herrschaften, erst im fünften track, "Star Rubbed", nach geschlagenen 25 Minuten, begegnen wir erstmals einem klar nachvollziehbaren 4/4-Takt, angeführt von einer peitschenden Gitarre!
Alasnoaxis war und ist Gitarrenmusik, von schwer-metallenen Dröhnwänden im Lande des Rauschens & schrillen Glockenklangs bis zu gedämpften, leisen, piccicato-Linien im uniso mit der Bassgitarre. Beide Positionen sind mit den besten Söhnen Islands besetzt, Jensson & Sverrison; klanglich gehen sie mitunter zum Verwechseln ähnlich auf Tuchfühlung oder sie entfachen - in weitestmöglichem Abstand zueinander - ein Höllenfeuer.
Meist
downtempo, eine Art heavy metal, der seine hypnotische Wirkung aus den ungeheuer laaangsamen Tempi bezieht. Black´s Blech scheppert, im Vordergrund ein kraftloses, mitunter auch klezmer-artiges Tenorsaxophon. Die paradigmatischen Stücke für dieses kunstfertige Grosse Rauschen sind "Everybody says the same" (langsam) und "Desemrascar", schneller Grunge-Start, ein zerdeeehntes riff im Mittelteil mit anschliessendem Verglühen in einem feedback-Hochamt.
Der Jazzrock ist nicht tot, man muss lediglich die Ohren schützen, um seine Schönheiten auszuhalten.

erstellt 23.03.06

©Michael Rüsenberg, 2006 Alle Rechte vorbehalten