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YELLOWJACKETS feat MIKE STERN Lifecycle ****

01. Falken´s Maze (Mintzer), 02. Country Living (Haslip), 03. Double Nickel (Mike Stern), 04. Dreams go, 05. Measure of a Man (Ferrante), 06. Yahoo (Mintzer), 07. I wonder, 08. 3 Circles (Ferrante, Haslip, Mintzer, Baylor), 09. Claire´s Closet (Ferrante), 10. Lazaro (Haslip, Mintzer)

Russell Ferrante - keyb, Jimmy Haslip - bg, progr; Marcus Baylor - dr, perc; Bob Mintzer - ss, ts, cl, bcl, EWI; Mike Stern - g

rec ?/2008?
InAkustik/Heads Up HUSA 9139

Sie spielen (seit 27 Jahren) und veröffentlichen (dies ist ihr 20. Album) in steter Folge - Trendsetter aber sind sie nicht, nie gewesen, sondern eher Resonanzboden für fremde Einflüssen, lange Jahre von Weather Report.
Nicht nur auf Grund ihres Alters repräsentieren
Yellowjackets eine Art Middle Of The Road Jazzrock; an ihrer Musik ist handwerklich und tontechnisch nichts auszusetzen - aber eben auch selten etwas zu entdecken, das aufhorchen lässt. Nachdem sie zuletzt, "25", ihre stärksten Stücke einem Live-Test unterzogen hatten, laden sie nun - erneut - einen Gast ein. In Gestalt von Mike Sternist dies aber schon von der Papierform her kein Aufreger-Thema, sondern gleichbedeutend für "keine Experimente".
Es geht denn auch so los wie erwartet: "Falken´s Maze", ein gedrechseltes Thema, ein offener Groove, der viel Platz lässt für
beat displacement des Schlagzeugers, sowas kann Marcus Baylorganz ohne Frage. Als nächstes legt Jimmy Haslip einen langsamen Shuffle vor, Stern legt wie gewohnt seine Pfundnoten vor, das Stück schleppt sich müde dahin - und wandelt seinen Aggregatszustand völlig überraschend unter dem Tenorsolo von Bob Mintzer. Ach ja, man kann dieselben Noten auch mit Engagement und Betonung spielen, man kann das ostinato herauskitzeln!
Mit "Double Nickel" dann ein Stück aus der Blues-Konfektion von Herrn Stern, die fällige Ballade, "Dreams go", ein Durchhänger; bei "Measure of a Man", ohne Stern, horcht man auf: ein thematisch anspruchsvolles Stück, das das Mintzer-Sopran von "fast-klarinettenhaft" bis zu einem klaren
Coltrane-Duktus schillern lässt.
Mit "Yahoo" dann ein happy-go-lucky Stück aus dem Weather Report-Baukasten.
Und so geht das weiter, nichts von einem "Lifecycle", einem Lebenskreis immerhin, zu erkennen, die Produktion wirkt wie aus dem Vorruhestand. Das ist nichts, was an die
Gospel- (von Russell Ferrante) oder swing-Ohrwürmern (von Bob Mintzer) anschließen würde - "Lifecycle" bestätigt unfreiwillig die Klischees, die über das ausgebrannte Genre Jazzrock unterwegs sind.
Im Einzelfall mögen sie zutreffen, im Prinzip sind die falsch.

erstellt: 28.05.08

©Michael Rüsenberg, 2008, Alle Rechte vorbehalten