Drucken

BRANFORD MARSALIS QUARTET Metamorphosen *******

01. The Return of he Jitney Man (Jeff Tain Watts), 02. The Blossom of Parting (Calderazzo), 03. Jabberwocky (Branford Marsalis), 04. Abe Vigoda (Revis), 05. Rhythm-a-Ning (Monk), 06. Sphere (Revis), 07. The Last Goodbye (Calderazzo), 08.And then, he was gone (Revis), 09. Samo (Watts)

Branford Marsalis
- ss, as, ts; Joey Calderazzo - p, Eric Revis - b, Jeff "Tain" Watts - dr

rec. 25.-27-08.2008
Universal/Marsalis Music 0874946001106; LC-Nr 03719

down beat moniert zu recht den nicht ganz zutreffenden Titel dieser Produktion: "Metamorphosen" lege eher "Transformationen" nahe, diese vollzögen sich hier nicht. Vielmehr habe dieses Quartett nach 10 Jahren in gleicher Besetzung neue Ebenen der "Verfeinerung" erreicht.
So ist es. "Metamorphosen" enthält keine Neuerungen - es sei denn, man hielte die Tatsache, dass
Branford Marsalis nach 20 Jahren mal wieder das Altsaxophon bedient ("Jabberwocky") dafür. Ansonsten, wie gesagt, Verfeinerungen, Delikatessen von einem der profiliertesten Jazzsensembles der Gegenwart.
Auffällig diesmal, dass der Bandleader als Komponist sich sehr zurückhält, er hat lediglich nämliches Stück beigesteuert, eine knallige post-bop-Nummer, mit Schlagzeugsolo.
Apropos
Jeff Tain Watts, dies ist sein Album. Es startet und schließt mit einer Komposition von ihm: "The Return of the Jitney Man" in einem raffiniert angeshuffelten swing, Branford spielte Tenor; im Schlußstück wechselt er zum Sopran, "Samo", läuft über ein "gerades", binäres ostinato im 14/4-Takt, fast ein Jazzrock-Groove, der sich - nicht untypisch für diesen Marsalis - in einem langen, kaum merklichen crescendo aufbläst.
Joe Calderazzo hat - wie zu erwarten - zwei Balladen geschrieben, worunter "The Blossom of Parting", rubato gespielt, erneut eine weitere Domäne dieser Band herausstellt (der Komponist spielt hier sein Solo ausschließlich mit der rechten Hand, ohne jede Akkordbegleitung).
Sehr klug ist die Mittelachse des Albums arrangiert, sie wird vorbereitet mit einer "konstruktivistischen" Ballade von
Eric Revis ("Abe Vigoda"), die durchaus 12tönig angelegt sein könnte. Die Mittelachse selbst besteht aus einem Knaller-swing wie schon "The Return..." und"Jabberwocky", hier in einer betörenden Version von Monk´s "Rhythm-a-Ning" mit allerlei Groove- und Tempo-Wechseln, gefolgt von der Monk-Widmung "Sphere" (das war der zweite Vorname von Thelonious Monk), das wie ein Reggae beginnt und in Mingus´scher Gemütlichkeit daherkommt.
Völlig aus dem Rahmen, weil in Solo-Stück, fällt "And then, he was gone", ein Baß-Solo von Eric Revis, anlässlich des flügge gewordenen Sohnes, der das Elternhaus verlassen hat. Revis leitet dann fast unvermittelt in das ostinato des Schlußstückes ein.
Eine Produktion von reifer Architektur und großer spielerischer Potenz.

erstellt: 18.05.09
©Michael Rüsenberg, 2009, Alle Rechte vorbehalten