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JACOB KARLZON Heat ******

01.7th Avenue (Karlzon), 02. Hollow Life (Arvizu, Welch, Shaffer, Silvera, Davis), 03. Gollum´s Song (Shore, Walsh), 04. Rubik 4 Real (Karlzon), 05. Laika, 06. Sonatine: Modére (Maurice Ravel), 07. Always in August (Karlzon), 08. Heat, 09. Late Night/Early Morning, 10. Still Hope

Jakob Karlzon - p, Hans Andersson - b, Jonas Holgersson - dr, Peter Asplung - tp, flh; Karl-Martin Almqvist - ss, ts

rec. 03.-05.2008
SunnyMoon/Caprice Records CAP 21809

Der frühe Tod des Esbjörn Svensson (14.06.08) mag manch einem den Blick auf die anderen, auch nicht gerade un-talentierten Jazzpianisten in Schweden erleichtern: auf den eleganten Lars Jansson oder auf Jacob Karlzon, von Bobo Stenson ganz zu schweigen.
Jacob Karlzon aus Malmö ist von Jahrgang 1970, mithin 6 Jahre jünger als Svensson und gewiß nicht wie jener als Komponist profiliert.
"7th Avenue" z.B. der opener, bedient sich eindeutig des Vokabulars der
Brecker Brothers. Mit ein wenig Phantasie kann man ihn, des Titels wegen, auch als Hommage interpretieren: in der 7th Avenue zu New York City hatten Michael und Randy Brecker in der Tat mal einen Jazzclub.
Andererseits kann Jacob Karlzon Dinge, die Esbjörn Svensson gar nicht konnte: z.B. richtig gut swingen. Und, seine Rhythmusgruppe ist auch besser. Ein Stück wie "Rubik 4 Real“, das zwischen 4/4 und
7/4 (riff) wechselt, das binär und dann in einen swing im Doppeltempo ausbricht, ein solches Stück hätten e.s.t. gar nicht hingekriegt. Fraglich auch, ob die leichte Bossa Nova von "Always in August" ihre Sache gewesen wäre. Zentrale Jazztugenden sind bei Karlzon einfach in den besseren Händen.
"Sonatine: Modére" ist quasi ein Echo auf sein vorletztes, sein fünftes Album "Improvisational", wo er mit wenig Vorbereitung auf die
Ravel-Vorlagen reagieren musste, die ihm sein Produzent vorgespielt hatte. Seine Bearbeitung bezieht sich auf den ersten Satz der Sonatine für Piano (1905), den er mit einem Element abschmeckt, das dem Komponisten vollends unbekannt war: ein drum-solo gegen riff.
Jacob Karlzon liefert einen schönen Gebrauchsjazz, ihn aber "mit Keith Jarrett und Bill Evans" zu vergleichen, wie es jetzt der Pressetext tut und wovor Karlzon auch auf seiner eigenen Webseite nicht zurückschreckt, das ist vollends absurd. Jacob Karlzon liegt, um mit Michael Naura zu sprechen, "gut im Mittelfeld".


erstellt: 28.07.09

©Michael Rüsenberg, 2009, Alle Rechte vorbehalten