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BENOIT DELBECQ Crescendo in Duke *******

01. Bateau (Ellington), 02. Portrait of Mahalia Jackson, 03. Portrait of Wellman Braud, 04. The Spring, 05. Art O´clock Rock, 06. Whirlpool, 07. - 11. Goutelas Suite, 12. Bue Pepper, 13. Tina, 14. Diminuendo and Crescendo in Blue, 15. Fontainebleau Forest

Benoit Delbecq - p, electronics
Meudon 2011: Tony Coe - ss, cl, Tony Malaby - ss, ts, Antonin-Tri Hoang - as, bcl, Jean-Jacques Avenel - b, Steve Argüelles  - dr, perc, electronics
Minneapolis 2011: Michael Nelson - tb, Steve Strand - tp, Dave Jansen -  tp, Kenni Holmen - ts, cl, Kathy Jensen - as, bars, cl, Yohannes Tona - bg, Michael Bland - dr

rec ?/2011
nato 4375

Da war die FAZ für einen Moment unaufmerksam: ihr Lob über das neue Album von Michael Riessler meinte sie geschickt zu untermauern mit dem Hinweis auf das Urteil eines „Münchner Kritikers“, wonach in diesem Jahr nichts Besseres (als Riessler) mehr zu erwarten sei.
Abgesehen von der frühen Festlegung dieses anonymen Meinungsmachers, ist nach alledem, womit uns die Süddeutsche Zeitung in Jazzfragen verwöhnt, „ein Münchner Kritiker“ in unseren Kreisen inzwischen ein Muster ohne Wert. Und deswegen wollen wir auch gar nicht wissen, was dieser Spezi von „Crescendo in Duke“ hält, wir sagen nur: es ist erheblich besser.
Nach etlichen Jahren arbeitet Benoit Delbecq wieder mit Jean Rochard zusammen, einem hierzulande ein wenig in den Hintergrund geratenen französischen Produzenten, der nicht nur für sein nato-Label, sondern auch für Universal spektakuläre Projekte realisiert hat, beispielsweise die „Minneapolis“-Box von Michel Portal, 2002.
cover-delbecq-dukeAuch diese Ellington-Widmung führt Rochard & Delbecq - zumindest für 4 von 15 tracks - wieder in die Geburtsstadt von Prince.
Sein schwergewichtiger Drummer Michael Bland ist wieder mit dabei, ansonsten der äthiopische Bassgitarrist Yohannes Tona sowie die unter The Hornheads firmierenden Bläser.
Die Blues-Anteile dieser Produktion liegen überwiegend bei ihnen, der Druck ist da, die Formen sind kompakter, man erkennt deutlich den wuchtigen snare-beat von Bland, aber im Verhältnis zu Portals Zeiten sind abenteuerliche offbeat-Abtweichungen wenig gefragt.
Am typischsten kommt Bland in dem Afro-Shuffle-Blues „Portrait of Wellman Braud“ rüber, wo Delbecq mittels präpariertem Piano und keyboard auch im Sinne von Ellingtons Jungle-Aufnahmen „afrikanisiert“.
Wellman Braud war Bassist im Ellington-Orchester von 1927 bis 1937; zu dieser Erkenntnis muss man weder googeln noch Wikipedia bemühen, die ausführlichen liner notes führen für jedes Stück entsprechende Referenzen auf (in Französisch), nebst Verweis auf die Aufnahmedaten der entsprechenden Ellington-Originale - eine auch in dieser Hinsicht bemerkenswerte Edition. Und wer sich auf der Webseite des Labels umtut, erhält weitere Empfehlungen, das Thema visuell, akustisch und literarisch zu erkunden.
Im Gegensatz zu den Minneapolis-Exkursionen von Michel Portal ist „Crescendo in Duke“ nur in der Minderheit der Stücke eine funky Hommage, die Mehrzahl der Einspielungen stammt aus dem Studio in Meudon/Frankreich, von einem illustren anglo-amerikanisch-französischen Team; die Mehrheit der stilistischen Einfälle und Formen findet sich auch hier.
Im Zentrum steht dabei die fünfteilige „Goutelas Suite“ (von Ellington im April 1971 aufgenommen): sie beginnt mit einer „Fanfare“, durchbrochen von elektronisch transformierten Schlagzeug-Parts durch Steve Argüelles (ähnlich wie im Duo von track 4, eine Fortführung ihrer mit „Piano Album“ 2001 erstmals erprobten Techniken), Mittelteil und Schluss der Suite bewegen sich in elegantem swing. Nämliches gilt für „Diminuendo...“.
„Crescendo in Duke“, der Titel der Produktion, ist daraus abgeleitet, eine alles in allem respektvoller, vielfarbiger Tribut, dem das Rabiate und Sarkastische völlig fremd ist, wie es in Django Bates´ Diktum „arranging the hell out of something“ anklingt.

erstellt: 10.03.12
©Michael Rüsenberg, 2012. Alle Rechte vorbehalten

 

 

PrinceWikipedia: A prince is a male ruler, monarch, or member of a monarch's or former monarch's family. Prince is a hereditary title in the nobility of some European states. The feminine equivalent is a princess. The English word derives, via the French word prince, from the Latin noun princeps, from primus + capio, meaning "the chief, most distinguished, ruler, prince".