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ADAM BAŁDYCH & THE BALTIC GANG Imaginary Room ****

01. Village Underground (Bałdych), 02. Mirrors, 03. The Room of Imagination, 04. Cubism, 05. K8, 06. Time Traveller (Bałdych, Karlzon), 07. Rama hai (Bałdych), 08. For Zbiggy, 09. 11.16, 10. Zarathustra, 11. Inspiration, 12. Million Miles away (Bałdych, Danielsson)

Adam Bałdych - v, Jacob Karlzon - p, Lars Danielsson - b, vc, Morten Lund - dr, Verneri Pohjola - tp, Marius Neset - ts, Nils Landgren - tb (5.8)

rec. 11.03. - 13.03.2012
ACT 9532-2; LC-Nr 07644

Eine schöde Idee, einem Geiger aus Polen eine Baltic Gang zur Seite zu stellen, Musiker mithin aus dem Anrainerstaaten der Ostsee: den Schweden Jacob Karlzon, den in Dänemark lebenden Schweden Lars Danielsson, den Dänen Morten Lund, den Finnen Verneri Pohjola. Selbst Marius Neset aus Bergen/Norwegen gehört irjenswie noch dazu, da in Kopenhagen lebend. Sowie der von Schleswig-Holstein aus die ganze Ostsee umtönende Schweden Landgren, der auch als Co-Produzent zeichnet.
Eine schöne Idee - auf dem Papier. Eine schöne Idee nur für denjenigen, der nicht das Vergnügen hatte, beim Jazzfest Berlin 2011 den Geiger „mit der zweifellos besten Technik unter den lebenden Jazzviolinisten“ zu erleben, wie die FAZ vollkommen zu recht jubelt. Adam Bałdych, 26, lebt - nach einem Studium an der Berklee School of Music in Boston - nicht nur wie seine Vorgänger Michal Urbaniak und Zbigniew Seifert in New York City; ersteren hat er längst überflügelt, mit letzterem teilt er den Biss und die Expression, die die auf diesem Instrument so dominanten, gemütlichen Gypsy-Muster erst gar nicht aufkommen lassen.
cover-baldychDer baltische Bałdych und Bałdych in Berlin, das sind nicht nur zwei grundverschiedene Konzepte, da scheinen auch unterschiedliche Musiker zu sprechen.
„Imganinary Room“ ist voll möbliert mit vielem, was wir kennen - mit dem, was wir von einem „polnischen“ Musiker so erwarten: dunkle ostinati, Schwermut, Schmachten allerorten. Das letzte Drittel der Produktion, buchstäblich ab track 9, mutet an wie eine Trauer-Weide, jedwede Jazz-Expression ertrinkt in einem düsteren Folklorismus.
Im track davor, „For Zbiggy“, auch dies schon eine Ballade, schließt Bałdych an das Vokabular seines Vorgängers Zbigniew Seifert (1946-1979) an, hier kommt eine moderne Jazz-Violine zum Einsatz - aber immer noch weit entfernt von dem Jet, mit dem Bałdych am 3.11.2011 durch das Berliner Quasimodo gerast ist. Gegen dessen Bordmannschaft sieht das jetzige ACT-Team wie Regional-Flieger aus.
Und es waren seinerzeit fast ausschließlich polnische, bei uns unbekannte Musiker: der blendende Tenorsaxophonist Maciej Kociński, der „amerikanisch“ perlende Krzysztof Dys (p, ep), am Bass Andrzej Święs. Umd am Schlagzeug ein Vertreter des aufregenden New Gospel Drumming, der schwarze Trommler Dana Hawkins. Die wenigen - schlechten - Videos auf YouTube lassen erahnen, welches Feuer der im Quasimodo gelegt hat.

erstellt: 04.09.12
©Michael Rüsenberg, 2012. Alle Rechte vorbehalten