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PABLO HELD TRIO Live ********

01. Klartraum (Held), 02. Birkenhain, 03. Joni, 04. Corellia, 05. Meta, 06. Melody-Meta-Corellia

Pablo Held - p, Robert Landfermann - b, Jonas Burgwinkel - dr

rec. 21.07.2012
Pirouet PIT3066, LC 12741

Endlich, werden viele sagen, endlich bringt das beste deutsche Klavier-Trio eine CD in der Form heraus, in der sie es kennen und überaus schätzen.
Es ist die vierte Veröffentlichung dieses 2005 gegründeten Trios. Seit mehreren Jahren schon betritt es die Bühne nicht mehr mit einer setlist, es spielt und improvisiert also keine Abfolge von Kompositionen mehr, sondern einen langen set en suite. Darin tauchen dann - mehr oder weniger spontan - Bestandteile aus einem Repertoire auf, das inzwischen rund 40 Stücke umfasst.
Das bedeutet, kein Konzert ist identisch mit dem vorherigen oder dem nachfolgenden; diese Live-CD, entstanden in Basel, nimmt wiederum einen ganz anderen Verlauf als das Konzert, mit dem das Trio neulich die CD im Loft Köln vorgestellt hat.
Warum nicht dort, der Heimbasis des Trios (und von Root 70, Hayden Chisholm und vielen anderen), warum das „Bird´s Eye“ in Basel, wir erfahren es nicht.
Auch nicht, warum dieser Mitschnitt quantitativ nach der Hälfte des Speichervermögens einer Compact Disc schließt, mit 40:49 Minuten entspricht er einer Konzerthälfte.
Aber die hat es in sich.
cover-held-liveEs gibt einige Veränderungen zu entdecken, z.B. weitaus weniger Hancockismen und Jarrettismen als sonst, dafür zieht der Bandleader im Schlußstück einen großen dramatischen Bogen, der leicht blues-haft beginnt und zum ersten Mal (auf CD) in Power-Akkorde a la McCoy Tyner sich steigert, untermalt von angedeuteten und real gespielten 6/8 durch Robert Landfermann.
Überhaupt die Rhythmusgruppe Landfermann/Burgwinkel: im ersten track entwickeln sie aus einem arco-Gegrummel des Basses schließlich ein frei-metrisches Feld, und da Pablo Held niemals tonale Bezüge abstreift, ergibt sich quasi lexikalisch so etwas wie tonaler FreeJazz.
„Birkenhain“ setzt dann mit einem Groove ein. Entweder die haben das wirklich so gespielt oder der Schnitt ist unter Auslassung störender Noten gesetzt - die track-Markierungen, die ja nur aus Konvention geschehen, damit es das Hören von Ausschnitten erleichtert, sie sind meist so geschickt gesetzt, dass sie wirklich neue Abschnitte bezeichnen.
Der Qualität dieses Konzertes widerspricht nicht die kühle Feststellung, dass das Trio im Prinzip nichts Neues bietet. Es besticht mehr durch das Wie als durch das Was. Das Material selbst ist bekannt, aber die Verknüpfung der einzelnen Momente zu Gedanken, zu einem Parcours sucht - ganz gewiß im deutschen Jazz - ihresgleichen.
Kein zweites deutsches Klavier-Trio ist so eingespielt, bewegt sich so wie ein eigener Organismus. Man braucht zum Vergleich nur die anderen - zahlreichen - Ensembles heranzuziehen, in denen Landfermann & Burgwinkel glänzen: die meisten klingen gut, aber dieses Trio klingt besser!

erstellt: 11.12.12
©Michael Rüsenberg, 2012. Alle Rechte vorbehalten