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JIM BLACK ALASNOAXIS Antiheroes ****

01. Antihero (Jim Black), 02. Super K´s, 03. Much better now, 04. Tockle, 05. Sun San, 06. Marguay, 07. Meowchless, 08. Square Pegs

Jim Black - dr, Hilmar Jensson - g, Chris Speed - ts, cl, Skuli Sverrisson - bg

rec. 08/09.2012
Winter+Winter W&W 910202-2, LC 02829

Als das ZDF im vergangenen Jahr Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski den Job kündigte und das „Philosophische Quartett“ einstellte, geschah das mit einer wunderlichen Begründung, die noch wochenlang im Feuilleton nachhallte: das Format habe sich „allmählich auserzählt“.
Warum kommt uns hier das ZDF in den Sinn? Beim sechsten Album von Alasnoaxis in gut einem Dutzend Jahren?
Weil die Begründung, dort fadenscheinig, hier absolut einleuchtet:
cover-alasnoaxis-antiheroeswas einst in großem Lärm begann, mit trashigen Klängen, down tempo und in großer Nähe zu Grunge, ist fast zu einem Nachhall seiner selbst geworden.
Hier ist alles, was früher zu vereinnahmen wusste, fertig durchdekliniert. Keine riffs mehr, die auch noch polyrhythmisch auseinanderlaufen (wie auf „Habyor“, 2003), kein Höllenfeuer mehr (wie auf „Dogs of Great Indifference“, 2005), stattdessen das dröge Knäckebrot von Chris Speed´s ausdruckslos geblasener Klarinette und Tenorsaxophon.
Schon klar, das war/das ist Stilmittel, weil drum herum die Klangsplitter von Hilmar Jensson fliegen oder die Baßflanken von Skuli Sverrisson, beide Schwergewichtler aus Island. Die hier absolut unterfordert erscheinen. Mit Schwermut geradezu denkt man an des letzteren Solo-Album von 1996 zurück, was er dort alles mit der Baßgitarre möglich machte.
In „Marguay“ scheint noch einmal etwas von der früheren Wildheit durch, „Square Pegs“ beginnt mit einer jener irisierenden Klangwände, die dieses Quartett einst in die improvisierenden Kader eingebracht hat.
Wenn es nicht so abgedroschen klänge: ja, die Helden sind damit antiheroes ihrer selbst geworden. Vielleicht sollte der Bandleader nach einem Dutzend Jahren die kompositorische Verantwortung delegieren.

erstellt: 04.04.13
©Michael Rüsenberg, 2013. Alle Rechte vorbehalten