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CAROLINE HENDERSON Lonely House *****

01. Ouvertüre (Mœller), 02. Lonely House (Weill, Huges), 03. Speak Low (Weill, Nash), 04. Ballad of the Soldiers Wife (Weill, Brecht), 05. Don´t be afraid, 06. Mack the Knife,  07. My Ship (Weill,  Ira Gershwin), 08. Surabaya Johnny (Weill, Brecht),  09. I´m a Stranger here myself (Weill, Nash), 10. Kurt Weill, 11. What keeps Mankind alive (Weill, Brecht), 12. It never was you (Weill, Maxwell Anderson), 13. The Train to Heaven (Weill, Deval),  14. September Song  (Weill, Maxwell Anderson)

Caroline Henderson - voc, Nicolaj Hess - p, org, org, vib, mellotron, Jakob Høyer - dr, Daniel Franck - b, Frederik Henrik Møller - prog, keyb, Gustaf Ljunggren - g, mand, ukul, Bobby Henderson, Andres Hviid, Dean Bowman - voc



rec. 2012?
Sony Music 88883706152; LC-Nr 06868

Caroline Henderson, die in Kopenhagen lebende schwedische Sängerin, das haben wir vor 2 Jahren an dieser Stelle gesagt, ist eine Ohrenweide im Felde der vielen skandinavischen Frolleins. Ihr Alt hebt sich wohltuend ab, ihr vorletztes Album „Keeper of the Flame“ besticht aber mindestens so durch Qualitäten ihrer Arrangeure wie durch die ihres Gesanges. Von dort ist ihr der eindrucksvolle Nicolaj Hess geblieben.
Jetzt ist sie 51 und greift - nicht mehr so verstreut wie 2010 nach mehreren Autoren - zu einem Klassiker, wenn auch zu verschiedenen Perioden seines Schaffens, sie greift zu Kurt Weill (1900-1950).
cover-henderson-weillDas kann man ihr umstandslos zutrauen. Und dass sie dabei nicht in einen „klassischen“ Gestus zurückfällt, war zu erwarten; also, dass sie z.B. der im Titel enthaltenen Aufforderung von „Speak Low“ nicht nachkommt, das überrascht nicht. Das ist gut so.
„Speak Low“ ist das erste Stück, mit dem sich der Eindruck verfestigt, sie wolle hier den ollen Weill in die Club Lounge entführen: kurz vor Ende, bei 4:04, kippt das Stück in einen Effekt, der in diversen Sound-Plug Ins unter „outside of club“ gelistet ist - man denkt, man stehe draußen und höre der vertrauten Musik von dort aus nach.
Kommt überraschend. Und in „Don´t be afraid“, das in einem 6/4-Takt noch viel clubbiger daherkommt, erlaubt sie einen ähnlichen Schnitt, womit die letzten Akkorde in einer Art „Mini-Hörspiel“ verhallen.
Die „Ballad of the Soldiers Wife“ betont in einer Art TripHop-Marsch eher das Soldatische als das Balladeske, „Mackie Messer“ läuft über ein verträumtes piano-ostinato, ähnlich „My Ship“ - und das schöne Organ der schönen Sängerin kommt dabei schön heraus. Und am allerschönsten in „I´m a Stranger here myself“. Wieder geht dem eine Mini-Hörspiel-Effekt voraus - aber er bleibt Arabeske, eine flüchtige Geste.
Und man fragt sich, warum Madame solcherlei nicht zu einem prinzipiellen Gestaltungsmittel befördert hat. Es wäre dem Projekt gut bekommen, es hätte es von einigen Halbherzigkeiten befreit, die dieses Album lediglich zu einem durchschnittlichen Vergnügen machen.

erstellt: 22.04.13
©Michael Rüsenberg, 2013. Alle Rechte vorbehalten