„It always rains in Wuppertal“, der Songtitel des Elektropoppers Pyrolator (1979 auf seiner LP „Inland“) beschreibt die schwere Hypothek für einen jeden, der „im Tal“ open air etwas plant.
Fronleichnam, 30 Minuten vor Konzertbeginn polterte erst mal ein schweres Gewitter durch Barmen.
An die 200 Besucher harrten einfach aus im Skulpturenpark Waldfrieden, und als dann eine gute Stunde später die Luft rein war, stieß Ralph Towner den Dreiklang aus „Kunst.Musik.Natur“ an, mit dem die Musikreihe klangart für sich wirbt.
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Das Motto ist nicht übertrieben. Eine romantischere location dürfte in der deutschen Jazzlandschaft kaum zu finden sein als dieses 15 Hektar große, dicht bewaldete Hügelrevier in Wuppertal-Barmen.
Er befindet sich seit 2006 im Besitz des aus Liverpool stammenden, lange schon im Tal arbeitenden Bildhauers Tony Cragg, 68. Etliche seiner Objekte sind dort ausgestellt, neben erhabenen Bäumen artifizielle stumme Helfer einer Kontemplation, zu der an diesem Tag perfekt die akustische Gitarre von Ralph Towner passte.
Der Mann ist schon 77 und weiß, wie er mit einem Mikrofon, einem eigenen Mischpult und den erstaunlich kleinen Boxen der Medienwerkstatt der Stadt Wuppertal im Handumdrehen einen Sound produziert, der die Zuschauer angenehm bestreicht und sich hügelaufwärts zwischen den Stämmen in der Dämmerung verliert.
Wie gesagt, Towner ist schon 77, er spielt immer noch gut; sein timing sitzt, seine Art, ein ostinato anzuschieben auf den tiefen Saiten, ohne es vollständig auszuführen und „obendrüber“ Thema und Akkorde zu setzen, hat was.
Viel Bill Evans an diesem Abend. Ein Kammermusik-Abend open air, nach dem großen Niederschlag, später stehen Nebelbänke an den Wuppertaler Hügeln, wie in der Schweiz.
An 22. Juli brettert John Scofield mit Überjam an der selben Stelle.
Mit der Romantik ist es dann vorbei - oder sie präsentiert sich ganz anders.

erstellt: 16.06.17
©Michael Rüsenberg, 2017. Alle Rechte vorbehalten