Sie machen´s spannend, die Mitglieder des neuen Jazzclub Wuppertal e.V.
Die musikalisch Aktiven verbergen ihr Konterfei hinter ihrem Instrument, die zuhörenden Mitglieder hinter den Covers ihrer Lieblingsalben, oder was sonst gerade zur Hand war.
(Insider aus dem Tal meinen gleichwohl, die eine oder andere Identität lüften zu können.)
Jazzclub Wuppertal 1

Ein neuer Jazzclub in Wuppertal? Noch dazu im Luisenviertel, Heimstatt des „ort“, des Hauses, in dem Peter Kowald (1944-2002) gelebt hat. Wo auch heute noch sein Erbe gepflegt wird, der Wuppertaler FreeJazz nebst Anverwandten aus anderen Weltteilen, für das den ähnlich orientierten US-Musikern die unschlagbare Lautmarke sounds like whoopataal eingefallen ist.
Wer hinter die Cover schaut, entdeckt durchaus aus dem „ort“ vertraute Gesichter, ja sogar einen (nicht auf dem Bild), der für das dortige Programm nicht ganz unverantwortlich ist.
Man ahnt, zurecht, der Jazzclub Wuppertal sieht sich als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zum „ort“, Jazz-Wuppertal war ja schon immer größer als „whoopataal“, man denke nur an die sommerliche Reihe „Klangart“ im Skulpturenpark.
Der neue Club hat keine eigene location, er tagt im LOCH (vormals SommerLOCH) Ekkehardstr/Plateniusstraße in Elberfeld, auch die Webseite ist noch nicht durchgeschaltet, die Absichten aber schon vollmundig:
„Der Jazz Club geht hier ganz neue Wege, mit Livemusik + DJs, Techno + Improvisation, aber auch Tanz, Visuals, Elektronik und Beats.“
Die ersten Veranstaltungen sind am 11., 18. und 25. März, am 18. auch durch die Nacht hindurch.

Foto: Süleyman Kayaalp

erstellt: 14.02.17
©Michael Rüsenberg, 2017. Alle Rechte vorbehalten


Von all denen, die sich vom Jazz abwandten, war er einer der radikalsten und profiliertesten.
Es ist kaum ein größerer Schritt denkbar als der von den Geburtsstunden des europäischen FreeJazz (Manfred Schoof´s „Voices“, 1965, die erste „Globe Unity“-Aufnahme, 1966) zu Can, ab 1968, zu einer metronomischen Spielweise, die er von dort an zu einer einsamen Kunst entwickelt hat.
Die mit Schoof und Schlippenbach sind die einzigen Jazz-Aufnahmen in seiner umfangreichen Diskografie, alles folgende ist Rock und auch Pop.
Jaki Liebezeit 1Die Abkehr vom Jazz hat ihn kaum Sympathien gekostet, im Gegenteil, insbesondere in Köln wurde er einfach weiter dazugezählt, sein Fortgang bedauert.
Die Kölner Saxophon Mafia ließ ihn 1990/91 mit tom-tom-Wirbeln über 4/4 eine beinahe „britisch“ klingende Polyphonie unterfüttern.
Wir erinnern uns anderseits an ein Treffen von ihm mit einem echten Briten, mit Evan Parker, es war wohl in den 90ern, im Stadtgarten, das man bestenfalls mit Stoizismus a la John Cage ertragen konnte: zwei separate, lebende Klangquellen auf der Bühne, die keinerlei Anstalten machten, das aufzugreifen, was der jeweils andere anbot- ist das falsche Wort - nein, produzierte.
Er war ein Stilist, keine Frage, sein karger Trommelstil wurde Kult im Pop, nicht immer nur bei den kultigen Can oder bei Eno, sondern auch bei diversen Kleingeistern (u.a. Schiller oder Burnt Friedman).
Sein artist statement, wie es Wikipedia wiedergibt: „Du musst monoton spielen, also immer wieder das gleiche, den gleichen rhythmischen Zyklus wiederholen, wiederholen, wiederholen. Dann entsteht Groove“, liest sich gut - ob es aber auch stimmt, ist eine andere Frage. Und sicher nicht stil-unabhängig zu entscheiden.
Sein letztes Album erschien 2015, „Akşak“, zusammen mit dem Kölner Perkussionisten Holger Mertin.
„Heute, 22. Jan. 2017, 11:41 Uhr hat er die Bühne und diese Welt verlassen. Doppelseitige Lungenentzündung - er wollte keine invasiven Maßnahmen und ist friedlich im Krankenhaus eingeschlafen“, teilte sein Kölner Hausarzt mit.
Jaki Liebezeit, geboren am 26. Mai 1938 in Dresden, wurde 78 Jahre alt.

 erstellt: 22.01.17
©Michael Rüsenberg, 2017. Alle Rechte vorbehalten


Es war in den letzten Jahre ein Leichtes, Mitglieder der WDR Big Band aufzuspüren, die neidvoll nach Hamburg und Frankfurt hörten. Dort, in den Big Bands von NDR bzw HR wurden Projekte realisiert, an denen sie gerne auch mitwirken würden - in Köln hingegen herrschte die blanke Konvention.
Die WDR Big Band hat international einen erstklassigen Ruf, obenauf drei Grammy Awards, vermutlich ist sie auch handwerklich die beste in der deutschen Rundfunklandschaft.
Lange klang die Ära von Wolfgang Hirschmann (1986-2002) nach, die Vorarbeiten für die Grammy-ausgezeichneten Projekte resultieren aus dieser Zeit; sein Nachfolger Lucas Schmid, ehemaliger Bassposaunist der Band, hat wenig von diesem Glanz halten können.
Tiefpunkt war ein von Buh-Rufen begleiteter Auftritt beim Jazzfest Berlin 2014, die „Freedom Songs“, ein Projekt des sehr kurzlebigen Bandleaders Rich deRosa.
Nach zwei Spielzeiten musste er die die künstlerische Leitung an einen Routinier,  an Bob Mintzer, abtreten.
Friederike Darius
Jetzt wird auch die Spitze des Klangkörpers ausgetauscht: Lucas Schmid geht, es kommt … eine Managerin, "Wunschkandidatin" der ausübenden MusikerInnen:
Friederike Darius, geb 1963, eine Deutsche, die jahrelang beim Metropole Orkest in Hilversum/NL als Projektmanagerin tätig war.
Sie übernimmt ab der Spielzeit 2017/18.
Diese Wahl ist in der notorisch Männer-dominanten Big Band Welt ein sehr, sehr starker upbeat.

erstellt: 23.12.16, ergänzt 12.12.17
©Michael Rüsenberg, 2016. Alle Rechte vorbehalten