REZA ASKARI ROAR QUINTET xAYb v8v dYax ********
01. 404 (Askari), 02. 0 YxY 0, 03. ADHS, 04. MAINING PART THREE
05. H 21 Z 106, 06. X A VwV A X, 07. MAINING PART FOUR, 08. THE EYE’S MAN, 09. I 000 I, 10. xAxDx
Lina Allemano - tp, Stefan Karl Schmid - bcl, cl, ts, Christopher Dell - vib, Reza Askari - b, Fabian Arends - dr
rec. 13.-16.04.26
Boomslang Records Boom 2532
JC hat erneut das Vergnügen, ein Album des Kölner Bassisten Reza Askari vorzustellen (inzwischen hat auch er eine Professur, nämlich für … Kontrabass in Würzburg).
Es ist sein fünftes als Bandleader. Alle Alben firmieren unter „Roar“; das letzte, 2021, stellte als Titel lediglich den Neuzugang heraus „featuring Christopher Dell“.
Dass jenes formidable Quartett nun wiederum erweitert wurde, um die zwischen Toronto und Berlin pendelnde Trompeterin Lina Allemano (übrigens Trägerin des Deutschen Jazzpreises 2026 in der Kategorie „Blechblasinstrumente“), muss man den Metadaten des Albums entnehmen.
Von den Titeln her schlägt es sich - größtenteils - in ein semantisches Nirvana. Und selbst wenn einige Stücke (z.B. „ADHS“ oder auch „THE EYE´S MAN“) Bedeutung vorgaukeln, bestehen sie doch den Elchtest (vulgo: die Abbildung eines strukturellen Zusammenhanges mit der Musik) nicht besser als etwa „xAxDx“.
Helfen zwei Widmungen weiter? Eine gilt einer Person, die andere, das schon erwähnte „xAxDx“ den „brave people of Iran“.
Das Album ist im April 2026 entstanden, der Bezug zum Irankrieg ist offenkundig; das auf einen tiefen, vom Kontrabass gestrichenen „g“ aufbauende Stück mit variablen Tonhöhen legt mit dieser Zusatzangabe die Assoziation „Requiem“ oder „Trauer“ nahe.
Es ist die - in ihren Gründen einleuchtende - Deklamation an ein leidendes Volk durch einen Deutschen; Askari ist 1986 als Sohn iranischer Eltern in Fulda geboren.
Ansonsten gibt er keine Erklärung zu den Kompositionstiteln, weder in einem Cover- noch in einem Pressetext.
Und - ganz unter uns - das ist auch gar nicht nötig. Man muss nicht mal die Referenzen dieser Musik kennen, Extreme Metal a la „Meshuggah, Car Bomb, The Melvins oder The Dillinger Escape Plan“, wie Askari sie einem vom Label verbreiteten Text aufführt. Es mag Zeitgenossen geben, die „die Transformation der architektonischen und emotionalen Sprache des Metal in einen hochdetaillierten improvisatorischen Kontext“ wirklich nachvollziehen können.
Haben sie irgendeinen Vorteil dadurch?
Wir halten uns an unsere eigene Hörerfahrung und stellen zunächst einmal fest, dass dieser „hochdetaillierte improvisatorische Kontext“ einer ist, der seine Attraktion ganz sicher Planung verdankt, mit anderen Worten „Architektur“, wie der zitierte Text selbst nicht zu erwähnen vergisst.
Als da sind etliche Entscheidungen hinsichtlich Rhythmik (z.B. Tempowechsel, oftmaliges groove switching; z.B. wie das Quintett in „I 000 I“ mit einem scheinbar stumpfen 3/4-Takt umgeht), Melodik, Klangästhetik, Form.
Und in dieser Abteilung vor allem Überraschung durch Kontraste.
Dem nackten Zufall dürften z.B. die beiden Codas in tracks 01 und 06 nicht zu verdanken sein.
Es ist die helle Freude, diese „Architektur“ in „Ohrenschein“ zu nehmen, den Verläufen zu folgen, wie - bleiben wir noch bei 06 - eine wunderbar entwickelte FreeJazz-verwandte Kollektiv-Improvisation schließlich mit einem schmissigen Bebop-Thema gelöscht wird.
Lina Allemano startet das nächste Stück, „MAINING PART FOUR“, solo, die anderen treten peu a peu hinzu - ihre Präsenz ist ein großer Gewinn. Und dann kommt Dell…und der Bandleader unterlegt der front row ein delikates ostinato, bevor das Quintett kollektiv sich aufbäumt, in einem ritardando verebbt und ... mit einer stolzen Coda abtritt.
Nicht nur weil mit Stefan Karl Schmid und Fabian Arends (übrigens sehr gut klingend) schon die Hälfte von Schmid´s Huhn vertreten ist, möchte man dieses Quintett jenem Quartett an die Seite stellen. Bei aller Unterschiedlichkeit im Detail zeigt sich doch auch hier ein gutes Stück der Grazie des Neo Cool von dort.
Es ist eine faszinierende Route, die Roar in zehn Jahren über fünf Alben beschreibt.
erstellt: 24.09.26
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