Was sofort erinnert wird, ist ein Ton.
Kein Musikton, sondern - auch noch vor der für ihn viele Jahre amtlichen Geste des Dirigenten - der Ton seiner Stimme.
Nie laut, eher gemurmelt und beiläufig, verschmitzt und vor allem in der schönen Färbung, die wir an den österreichischen Dialekten doch so hinreissend finden.
Dazu passt seine Selbstaussage, die wir gleich zu Beginn in einem NDR-Nachruf finden: „Wenn ich gelegentlich einmal laut werde, dann zucken alle - aber sie lachen auch bald!“ (Und lacht sich eins weg).
Ganz genau. Das war er. Der Glawischnig Sound!
Ehrlich gesagt, wir konnten nicht genug davon kriegen. Denn er war ja nicht nur zu seinem Selbstzweck da, zur Unterhaltung, sondern in diesem Sound kamen auch Bewertungen, Einsichten, Einschätzungen daher. Da sprach eine Autorität, die sich wunderbar versteckt.
Und wenn der NDR-Intendant Hendrik Lünenborg (nordischer geht´s kaum) in seinem Nachruf schreibt: „Er verband höchste künstlerische Ansprüche mit einer großen Menschlichkeit und einem feinen Sinn für Humor“, dann hatte sein Redenschreiber ganz offenkundig einen guten Tag.
Apropos Norddeutscher Rundfunk, dass der Sender bis in die höchste Spitze einen Österreicher feiert, hat seine besondere Bewandtnis.
Der Hansestadt hat der Mann aus der Steiermark viele seiner produktiven Jahre geschenkt. 1973 wird er erstmals zum Radio Tanz- und Unterhaltungsorchester eingeladen, aus dem 1980 dann die NDR Big Band wird, die er bis 2008 als Chefdirigent leitet.
Auch dort lag anfangs nicht allein das auf den Pulten, womit wir heute die NDR Big Band verbinden (z.B. John Hollenbeck), sondern auch noch „Einer wird gewinnen“ mit Kulenkampff (1921-1998) musikalisch zu untermalen. Worüber er unsere damalige Teenager-Begeisterung doch sehr relativiert hat: „Drei Tage dauerten die Aufzeichnungen. Wir haben kaum gespielt, der Bierkonsum war überwältigend.“
Sein zweites Standbein an der Alster wird die Hochschule für Musik und Theater.
Ab 1982 baut er mit Hermann Rauhe, 96, den Fachbereich Jazz auf, und zwar als „Zwei-Säulen-Modell“, wonach auch klassische Musiker improvisieren lernen. 2003 wird er dort emeritiert.
Es ist dies eine späte Variante der - nennen wir es - „Zweigleisigkeit“, die ihn schon zu Beginn seiner eindrucksvollen Karriere kennzeichnet. 1964 wird er in Graz über einen Komponisten des 19. Jahrhunderts promoviert; gehört ein Jahr später zu den Gründern des Jazzinstitutes an der (heutigen) Kunstuniversität sowie 1971 des Institutes für Jazzforschung (heute Jazz- und Popularmusikforschung). Der frühe gute Ruf der österreichischen Jazzforschung, er ist auch Produkt seiner Aktivitäten.
Dabei ist der Praktiker an den 88 Tasten noch gar nicht erwähnt; Glawischnig hat den Mainstream (bis hin ins sehr Populäre) verstanden, in eigener Sache aber war er eher Avantgardist, z.B. mit seinem 1974 gegründeten Trio Neighbours.
Nicht zu vergessen sein Faible für die Verbindung von Text und Musik, darunter - man möchte fast sagen: unvermeidlicherweise - die sich der musikalischen Behandlung aufdrängende Wortakrobatik von Ernst Jandl, viele Jahre vor Christian Muthspiel.
Dieter Glawischnig, geboren am 7. März 1938 in Graz, ist ebendort am 1. Oktober 2026 gestorben. Er wurde 88 Jahre alt.
Foto: NDR
erstellt: 15.10.26
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Dass Schriftsteller Miles mögen, ist nicht die Überraschung.
"Nobody was ready for Cassandra Wilson to die today".


Sein erster Lehrer war ein Perkussionist, Frankie Malabe; Horacee Arnold als ausgesprochener drum teacher kam später.
