Der Aprilscherz 2019 verspricht in Nordrhein-Westfalen, beim Kultursender des Landes, bei WDR3, besonders „nachhaltig“ zu werden.
Sein Gehalt steht, wie französischen Musikern auffällt, im Einklang mit Ereignissen bei ihnen daheim („Bei France Musique ist es genau so!“).
Der Aprilscherz 2019 bleibt bei WDR3 freilich nicht auf den 1. April beschränkt, sondern er gilt auch an den Folgetagen - er gilt bis zur nächsten Programm-„Reform“.
Wenn Jazzmusik von WDR3 vermutlich verschwunden sein wird.

Noch ist es nicht so weit, noch ist WDR3 lediglich auf dem Wege dorthin.
Zum 1. April 2019 wurde allen freien Mitarbeiter aus dem Bereich Jazz & World „die bisherige Form der Zusammenarbeit (…) als sendungsgestaltender Autor*in (…) beendet“, darunter zwei, die für ihre journalistische Arbeit für WDR3 mit dem „WDR Jazzpreis“ ausgezeichnet worden sind.
WDR3 wird ab dem 1. April 2019 „keine Programmkästchen mehr für die jeweiligen Genres haben, sondern eine Musikauswahl bieten, die – ausgehend vom Jazz – genreübergreifend ist.“ 

Damit werde der „Wechsel von der monothematischen Autorensendung zur kuratierten und moderierten Playlist“ vollzogen, präsentiert von lediglich vier ModeratorInnen.
Was hip & weltoffen wirken soll - bedeutet de facto den Abschied von WDR3 aus dem Jazzdiskurs.
Der größte deutsche öffentlich-rechtliche Radiosender, der einst mit Hilfe eines Dietrich Schulz-Köhn viele Hörer zum Jazz geführt hat, ohne dessen anfängliche Unterstützung der Stadtgarten Köln heute nicht als „europäisches Zentrum für Improvisierte Musik“ dastünde - er bezeichnet die stolze Musikgattung Jazz als „Programmkästchen“.
Sie wird sich ab dem 1.4.19 montags bis freitags die Strecke ab 22:04 Uhr teilen mit „World“ und „avanciertem Pop“. Mit anderen Worten: wer Jazz hören, wer gar seine vorhandenen Kenntnisse dieser Musikgattung aktualisieren will, muss immer auch die anderen Gattungen in Kauf nehmen (und vice versa).

Das mag in wenigen Einzelfällen fruchtbar sein.
Das ist  als Programmrichtlinie einer Institution mit Kulturauftrag musik-ästhetisch kaum zu begründen. Man wird nichts wiederfinden. 

(Würde WDR3 sich trauen, Kammermusik und Oper auf eine „playlist“ zu reduzieren?)
Die größte deutsche Radioanstalt begibt sich in Sachen Jazz - ohne Not - unter den Standard aller anderen ARD-Anstalten.

erstellt: 13.03.19/korr. 20.03.19
©Michael Rüsenberg, 2019. Alle Rechte vorbehalten


 

Wer bietet eine bessere Gelegenheit, um zwischen Kardinal- und Ordinalzahl zu unterscheiden als das Deutsche Jazzfestival in Frankfurt am Main?
In unserer kleinen Welt, und nicht nur dort, werden sie gerne velwechsert.
Das kommende Deutsche Jazzfestival 2019 wird das 50. sein, ist aber keineswegs 50 Jahre alt (gegründet 1953).
Also, das 50. Deutsche Jazzfestival (23.-27.10.) wird am 23.10. in der Alten Oper eröffnet mit einer Hommage
„ECM - 50 Jahre Schönheit am Rande der Stille“.
Das Münchner Label wurde in der Tat 1969 gegründet. Und wer hätte gedacht, dass der damalige Slogan „the most beautiful sound next to silence“ - so unzutreffend er für den Physiker klingt - auch 50 Jahre später noch den Poeten in (fast) einem jeden Jazzfan so zuverlässig anspricht?
„An diesem Abend verneigen wir uns vor der stilprägenden und unabhängigen Münchner Plattenschmiede ECM, die wohl mehr bewegt hat als sämtliche großen Majors“, begründet Olaf Stötzler, künstlerischer Leiter des Festivals, den Programmpunkt.

Und in weiterem fällt er in einen Gedanken, der noch für einen jeden Jazzmusiker gegolten hat, aber wie in einem (Jazz)Märchen in München lokalisiert wird:
„Musikerinnen und Musiker, die nach innen lauschen, bevor sie sich äußern – diese unverwechselbare ECM-Atmosphäre und die inspirierenden Grenzüberschreitungen wollen wir in unserem Eröffnungskonzert präsentieren.“
Es treten auf an jenem Abend: das Jakob Bro/Palle Mikkelborg Quartet, Michael Formanek´s Ensemble Kolossus mit der hr-Bigband sowie die Sängerin Elina Duni.
Der Rest des Programmes wird im Juni bekannt gegeben.

erstellt: 12.03.19
©Michael Rüsenberg, 2018. Alle Rechte vorbehalten


 

Die Gleichbehandlung von Jazzmusikern und -Innen, seit dem vergangenen Jahr als Forderung massiv im Fokus, in Moers wird sie seit 2008 praktiziert. In nahezu geräuschloser Selbstverständlichkeit.
Nicht auf der Hauptbühne, aber auf dem ganzjährigen Vorfeld. 12 Monate wird eine improvisierende Person von der Kulturstiftung NRW unterstützt, um in der Stadt zu leben und die Bewohner von den musikalischen Vorzügen dieser Lebenspraxis zu überzeugen.
Moers Emilio Gordoa
Soeben ist zum elften Male die Übergabe des Staffelstabes erfolgt: von der Flötistin Josephine Bode auf den Vibraphonisten Emilio Gordoa.
Er wurde 1987 in Mexico City geboren und lebt seit 2012 in Berlin.
Er ist Improviser in Residence 2019.

Was ihm am Niederrhein vorschwebt, geht aus dem Foto von der heutigen Pressekonferenz hervor;  er will vor aller Ohren seinem Instrument mehr entlocken als „nur schönen Klang“, so Gordoa heute im Pressegespräch.
Tim Isfort, künstlerischer Leiter des Festivals, betonte, dass mit Emilia Gordoas Residency Klischees aufgebrochen werden, die dem Vibraphon als Klanggeber im Jazz anhaften.
Mögen es alle hören.

erstellt: 10.01.19
©Michael Rüsenberg, 2019. Alle Rechte vorbehalten

 


Best Improvised Jazz Solo

SOME OF THAT SUNSHINE

Regina Carter, soloist

Track from: Some Of That Sunshine (Karrin Allyson)

DON'T FENCE ME IN 

John Daversa, soloist

Track from: American Dreamers: Voices Of Hope, Music Of Freedom (John Daversa Big Band Featuring DACA Artists)

WE SEE
Fred Hersch, soloist

DE-DAH
Brad Mehldau, soloist

Track from: Seymour Reads The Constitution! (Brad Mehldau Trio)

CADENAS

Miguel Zenón, soloistTrack from: Yo Soy La Tradición (Miguel Zenón Featuring Spektral Quartet)

Best Jazz Vocal Album

MY MOOD IS YOU

Freddy Cole

THE QUESTIONS

Kurt Elling

THE SUBJECT TONIGHT IS LOVE
Kate McGarry, Keith Ganz, Gary Versace

IF YOU REALLY WANT

Raul Midón With The Metropole Orkest Conducted By Vince Mendoza

THE WINDOW
Cécile McLorin Salvant

Best Jazz Instrumental Album

DIAMOND CUT

Tia Fuller

LIVE IN EUROPE

Fred Hersch Trio

SEYMOUR READS THE CONSTITUTION!

Brad Mehldau Trio

STILL DREAMING

Joshua Redman, Ron Miles, Scott Colley & Brian Blade

EMANON

The Wayne Shorter Quartet

Best Large Jazz Ensemble Album

ALL ABOUT THAT BASIE

The Count Basie Orchestra Directed By Scotty Barnhart

AMERICAN DREAMERS: VOICES OF HOPE, MUSIC OF FREEDOM
John Daversa Big Band Featuring DACA Artists

PRESENCE

Orrin Evans And The Captain Black Big Band

ALL CAN WORK

John Hollenbeck Large Ensemble

BAREFOOT DANCES AND OTHER VISIONS

Jim McNeely & The Frankfurt Radio Big Band

Best Latin Jazz Album


HEART OF BRAZIL

Eddie Daniels

BACK TO THE SUNSET

Dafnis Prieto Big Band

WEST SIDE STORY REIMAGINED

Bobby Sanabria Multiverse Big Band

CINQUE

Elio Villafranca

YO SOY LA TRADICIÓN

Miguel Zenón Featuring Spektral Quartet


 

uli schererSofort kommt dieses Bild wieder hoch: Festival „post this - neo that“, 1990 oder 1991 in der Philharmonie Köln:
AM4, dem Namen zum Trotz drei Musiker, raumgreifend auf der großen Bühne.
Uli Scherer, p, Linda Sharrock, voc, Wolfgang Puschnig, as, fl, in der vierten „Rolle“, unsichtbar für das Publikum, ein Sampler, der seine Runden zieht.
Das Programm: gestreichelte, gedehnte Balladen, viel rubato.
Etwa im gleichen Zeitfenster, Stadtgarten Köln: dieselben Menschen plus Jamaaladeen Tacuma, bg, in einer Hektik aus Blech & Beat, ausgelöst durch vier Perkussionisten aus Korea - Red Sun & Samul Nori.

Mehr als eine Dekade waren einem Scherer & Puschnig schon vertraut, seit sie 1977 gemeinsam mit Matthias Rüegg das Vienna Art Orchestra gegründet hatten. Scherer blieb bis 1997 dabei.
Er stammte aus Villach in Kärnten, in Wien hat er studiert, dort und in St. Gallen hatte er späteer Lehraufträge. Und in den speziellen Wiener Kreisen jener Jahre kam er an Ernst Jandl (1925-2000) nicht vorbei (was auch heute noch für manchen seiner Kollegen gilt).
Mit Jandl erhielt er 1988 den Deutschen Kleinkunstpreis in Mainz, 1990 folgte der Kulturpreis der Stadt Aargau/CH und 1996 der Kulturpreis seiner Heimatstadt Villach (Foto).
In den letzten Jahren verlegte er sich mehr auf Theatermusik an Bühnen in der Schweiz und Österreich.
Der Landeshauptmann von Kärnten nennt ihn zurecht „ein Aushängeschild, das weit über die Grenzen Kärntens Spuren hinterlassen hat“.
Es sind Spuren eines Kärtners, denen man gerne folgen mag.
Uli Scherer, geboren am 26. März 1953 in Villach, verstarb Ende November 2018 (der genaue Todestag ist keiner Quelle zu entnehmen). Er wurde 65 Jahre alt.

erstellt: 04.12.18
©Michael Rüsenberg, 2018. Alle Rechte vorbehalten