01.04. Bucky Pizzarelli (1926-2020)
01.04. Ellis Marsalis (1939-2020)
06.04. Hal Willner (1956-2020), Nachruf folgt
07.04. Onaje Allan Gumbs (1949-2020)


 

War das nicht eine Parole, die man vor ein paar Jahren im Umkreis des Moers Festivals lesen konnte?
Wie dem auch sei, diese Aufforderung beschreibt ganz gut die Mühe, die es erfordert, auf YouTube den Verlauf der Pressekonferenz für das kommende Moers Festival (29.05. bis 01.06.) nachzuvollziehen.
Die Moerser haben sich zu diesem Zweck, das ist unbestritten, immer etwas einfallen lassen.
Mal zeigten sich die Verantwortlichen am Rheinufer in Düsseldorf (!), ein andermal gingen sie im Stadteigenen Freibad buchstäblich ins Wasser.
moers plakat 2020
Mag sein, dass anno 2020 die Laufschriften und undeutlichen Bildsujets das cineatische Auge eines Alexander Kluge erfreuen, der gemeine Festivalinteressent wird sich den bösen Gedanken nicht verkneifen, dass ihm hier Bild- und Tonmaterial hingeworfen wird in dem Bewußtsein, dass das Virus dem Ereignis ohnehin zuvorkommen wird.
Dabei sind unter dem, was man, wie gesagt, mit Mühe nur wahrnehmen kann, durchaus Festivalpunkte, die man als assets bezeichnen kann.
Archie Shepp und das John Scofield Trio lassen einen nicht völlig zusammenzucken, aber John Zorn oder auch ein Ensemble, das Julius Eastman spielt, sind schon mal „nicht ganz schlecht“ (Marcel Reif).
Oder Wolfgang Puschnig mit Wolfgang Mitterer.
Und, „nach 31 Jahren dürfen wir Heiner Goebbels wieder begrüßen.“
Er versteckt sich mit seinem Duo-Partner Gianni Gebbia in der Band The Mayfield, entstanden aus einem seiner Theaterprojekte.
Die Machern wissen, was sie ihrem Publikum zumuten:

„Wir werden improvisieren. Habt Geduld. Lasst Euch überraschen.“

erstellt: 26.03.20
©Michael Rüsenberg, 2020. Alle Rechte vorbehalten


Die Monheim Triennale wird verschoben, auf den 1. bis 4. Juli 2021.
Die Inntöne fallen zu Pfingsten aus, Ende April wird ein neuer Termin bekanntgeben, für den Sommer 2020.
Das "ort"-Festival in Wupperal (23.-25.04) ist abgesagt.
Schaffhausen hat eine Spezial-Lösung in Vorbereitung.
Das Jazzfest Bonn versucht, Konzerte auf den Herbst zu verschieben, insbesondere die zum Schwerpunkt "Beethoven 250".
Jazzdor Strasbourg-Berlin ist abgesagt.
Aus Moers verlautet:
"wir bleiben da! Das moers festival 2020 soll stattfinden."
Für den 22.04. ist erneut eine  Pressekonferenz angesetzt.

erstellt: 06.04.20
©Michael Rüsenberg, 2020. Alle Rechte vorbehalten


 

In den 90ern Jahren war der Mann sowas von gefragt:
von Geri Allen, Bob Belden, Herbie Hancock, Chick Corea, Bill Evans, David Sanborn, nicht zu vergessen Tony Williams, dessen Quintett er zwischen 1988 und 1992 angehörte.
Der enorme Rückenwind war zu großen Teilen gespeist von der Idee eines keeper of the flame. Wallace Roney war Träger des Erbes von Miles Davis.
Dazu war er geradezu auserkoren. 1983 fiel er seinem Vorbild auf, ja erhielt sogar eines seiner Instrumente zum Geschenk. Er soll auch von ihm unterrichtet worden sein.
Wallace Roney copy 2

1991 in Montreux, wenige Monate vor dessen Tod, durfte er neben ihm die schwierigen Passagen des wohlvertrauten Repertoires vortragen.
Im September 1992 konnte er dann vollständig in dessen Rolle aufgehen, zusammen mit dem großen Rest des grandiosen zweiten Miles Davis Quintett.
Das Piano bediente damals ein gewisser Herbie Hancock, das Schlagzeug Tony Williams.
Es mag einem blümerant werden, wenn man aus gegebenem Anlass wieder einmal einem solchen Exzellenz-Cluster zuhört.

Roney hatte Übung darin, in solche Rollen zu schlüpfen. Wenige Jahre zuvor übernahm er den Posten von Freddie Hubbard in VSOP, eine Art Schattenkabinett zum nämlichen Quintett.
Wir sprechen hier von stilistischer Nähe, nicht von Mimikry, obgleich der Miles-Einfluss - von ihm selbst bestätigt - quer durch seine Karriere erkennbar blieb (sowie bei seinem drei Jahre jüngeren Bruder Antoine der von Wayne Shorter auf dem Tenorsaxophon), bis hin zu seinen Ausflügen in den HipHop Jazz Anfang der 2000er Jahre.
Melodisch immer noch Postbop, wogte er dabei rhythmisch häufig im Rezeptionsschatten von Herbie Hancock; möglicherweise eine Spätfolge der Mitwirkung an dessen „Dis is da Drum“ (1994).
Roney´s Albumdebut („Verses“, 1987) wurde von Tony Williams nicht nur produziert, sondern auch am drumset begleitet, der aus fast dem gesamten Team sodann sein Quintett formte.
Ab dem zweiten („Intuition“, 1988) übernahm diese Aufgabe Cindy Blackman, eine Zeitlang auch seine Lebensgefährtin.
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1995 heiratet er einen noch größeren Star, die Pianistin Geri Allen (1957-2017).
Die Ehe wurde 2008 geschieden, aus ihr gingen drei Kinder hervor.
Im weiteren Verlauf der neuen Jahrtausends dünnt sich seine Discographie merklich aus, auf Fotos erscheint der einst so schlanke Mann zuletzt stark übergewichtig.
Wallace Roney, geboren am 25. Mai 1960 in Philadelphia, starb am 31. März 2020 in New Jersey, im Alter von 59 Jahren. Er gilt als eines der Covid-19-Opfer.

Fotos:© Richard Williams (Montreux 1991), © Hyou Vielz (Köln, 1994)
erstellt: 31.03.20
©Michael Rüsenberg, 2020. Alle Rechte vorbehalte