Peter Cheyne/Andy Hamilton/Max Padison

The Philosopy of Rhythm

Aesthetics, Music, Poetics
415 Seiten, ca 40 Euro
Oxford University Press, 2019
ISBN: 978-0-19-934778-0  


„Das ist der Rhythmus, wo ein jeder mitmuuss“*, so oder ähnlich (für den korrekten Wort-Rhythmus ist in der Erinnerung kein Platz) sangen die Ströer Brothers über einem suggestiven Beat.
Zum Kontrast hatten sie dazu eine an Ronald Reagan (1911-2004) gemahnende Stimme montiert, die super-entspannt den gegenläufigen Rat erteilt:
„Ladies & Gentlemen, there is no cause for alarm!“
Das war 1988, im Rahmen der vom Goethe Institut organisierten Kunstdisco anlässlich der Olympischen Spiele in Seoul.
Der Reim Rhythmus/mitmuss betont eine uralte Erkenntnis, wonach der Rhythmus sofort ins Blut gehe.
Auch wenn dem Körpersaft eine wesentliche Aufgabe zukommt, bei der Umsetzung rhythmischer Impulse die entsprechenden Extremitäten in Gang zu setzen, so lautet doch eines jeden Hirnforschers Antwort: hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt.
Rhythmus ist eine Eigenleistung des Gehirns.
Bis 2013 eine kalifornische Seelöwin namens Ronan die These widerlegte, nahm man an, dass das Erkennen von Beat „Vokal-Lernen“ zur Voraussetzung habe und dies auf rund 7.000 Spezies beschränkt sei (darunter neben dem Menschen z.B. auch 5.000 Vogelarten, aber nicht Affen).
Seelöwen sind keine Vokal-Lerner.
Die Widerlegung der VL-These düfte in den letzten Jahren eines der frappierendsten Erkenntnisse der Musik-Biologie gewesen sein - in diesem Band findet sie keine Erwähnung.
Wohl wird einer der VL-Protagonisten, Aniruddh Patel, mit seinem „klassischen“ Beispiel eines zu den Backstreet Boys tanzenden Kakadus zitiert, nicht aber mit der Modifizierung seiner Hypothese auf Grund der neuen Erkenntnisse, 2014.
Das überrascht bei einem Band, der man in der Erwartung zur Hand nimmt, er kläre auf nach dem Motto „Alles, was Sie schon immer über Rhythmus wissen wollten…“

*dr pic, der Allwissende, hat dazu freilich in Stephan Remmler einen Vorläufer gefunden, 1986!
Und Dr. Horst B. verweist auf "Rudi Ratlos" von Udo Lindenberg, 1974!

---wird fortgesetzt

erstellt: 24.05.20
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