Die Älteren, die mit Camillo Felgen (1920 - 2005) sozialisierten, die auch noch die Stimmen von „Helga“, „Frank“ und „Jochen“ im Ohr haben, die vielleicht sogar eine Löwen-Verleihung besucht haben, irgendwann in den Jahren zwischen 1952 (in Frankfurt/Main) und 1992 (Dortmund)  - sie werden von der Nachricht
Goldener Löwe für Keith Jarrett
in Verwirrung gestürzt.
Die Jüngeren aber, die aus den Jahrgängen mit über fünfzig Prozent Abiturienten, vulgo die besser Gebildeten, sie wissen sogleich: bei diesem Goldenen Löwen kann es sich nur um die Auszeichnung der Musikbiennale Venedig handeln.
Sie haben recht.
Beim 62nd International Festival of Contemporary Music of the Biennale di Venezia wird der Goldene Löwe für (s)ein Lebenswerk am 29. September an Keith Jarrett überreicht.
Die Jazzpolizei gratuliert, ohne jeden Hintergedanken.
Zum einen hat Jarrett eine solche Auszeichnung verdient (es ist die zweite dieser Art für ihn), vor allem aber: endlich rückt mal einer aus unserer kleinen Welt vor in den Kreis der üblichen Verdächtigen.
Die Lebensauszeichnungen in Venedig gingen bislang u.a. an Luciano Berio (1995), Helmut Lachenmann (2008), Wolfgang Rihm (2010) sowie Pierre Boulez (2012).

erstellt: 22.02.18
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