Es war sowohl Echo als auch Vor-Echo.

Im nächsten Jahr wird Charlie Parker 100, im April wurde Evan Parker 75.
Also nahm Django Bates Parker, den jüngeren, mit an Bord seines nun auch schon über 10 Jahre agierenden Beloved Trios; für das diesjährige in der Reihe seiner jährlichen Konzerte in der Wigmore Hall, London.
Ein gediegeneres, ein bürgerlicheres Ambiente lässt sich kaum denken als diesen 1901 erbauten Kammermusiksaal, in dieser Funktion mutmaßlich einer der besten der Welt.
Seine Eignung für Jazz lässt ein wenig zu wünschen übrig. Gleichwohl ist Artist in Residence für die Saison 2019/20 Vijay Iyer, davor war es Brad Mehldau.
Die Bemühungen um diese Gattung lassen sich auch daran erkennen, dass Besucher unter 35 (!) grundsätzlich nur 5 Pfund Eintritt zahlen. 

Das Publikum an diesem 14. Juli 2019: älter, wie  nicht anders zu erwarten, d.h. aber auch - in Deutschland kaum vertraut - ältere, einzelne Damen und - ein paar Kinder.
Evan Parker hat den Saal von der Bühne aus zuletzt 1974 gesehen, mit Derek Bailey.
Die Einladung jetzt dorthin durch Django Bates kommt für ihn einem „royal command“ gleich, einem königlichen Befehl. 

Mit britischem Humor löst er auch die Rechenaufgabe des Reporters: 

Charlie Parker 100, Evan Parker 75, wo denn die restlichen 25 Jahre verblieben seien?
„Sie liegen vor mir!“

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Man darf Evan für wohlvertraut mit der Musik seines Namensvetters halten. 
Seit seinem elften Lebensjahr hört er sie, was man - soviel räumt er ein - seiner eigenen Musik nicht anhören könne.
Dafür war John Coltrane maßgebend, der späte Coltrane. Ein guter Improvisator über changes, fügt er hinzu, sei er nämlich nie gewesen.
Die Parker-Arrangements von Django nennt er „insane“, vollkommen abgedreht, ihre metrischen Strukturen seien eine „Herausforderung“.
Der Parker, Evan hat recht.
Wer nicht - wie Petter Eldh, b, und Peter Bruun, dr - lebt in den abrupten Tempo- und Rhythmuswechseln in den Charlie Parker-Arrangements von Django Bates, der hat einen schweren Stand.
Allein schon die abrupten Schlusspassagen sind eine Welt für sich. Hinreissend.
Evan Parker fädelt sich vorsichtig ein. Hier spielt er ein Thema mit, dort hat er ein kurzes Solo, dann wiederum ein Zwischenspiel.
Er hat sich gut vorbereitet, erkennbar an dem Notenpult vor ihm. Seit vielen Jahren hatte er keine Partitur mehr vor sich.
Er spielt Tenor, nicht das heute für ihn typische Sopransaxophon, weil er sich  mit dem Tenor besser gegenüber dem Schlagzeug behaupten kann.
Parker ist erkennbar Gast bei diesen Parker-Bearbeitungen.
Erst in der zweiten Hälfte von insgesamt einem Dutzend Stücken gewinnt er Raum.
Beispielsweise in „Now´s the time“, wo er die 6 Noten des Themas in seiner typischen Art kreiseln lässt, mittels Zirkularatmung.

erstellt: 15.07.19
©Michael Rüsenberg, 2019. Alle Rechte vorbehalten