Da beider Tod so rasch aufeinander folgt, liegt es nahe, ja bleibt gar nicht aus, beide Protagonisten miteinander in Beziehung zu setzen - um das hier übliche „miteinander vergleichen“ zu vermeiden: Brötzmann und Petrowsky.
Beide waren Autodidakten, beide wurden zu den Protagonisten des FreeJazz in ihren Ländern, sie hatten Schnittmengen als fratres in musica, haben auch zusammen gespielt, etwa im Brötzmann Clarinet Project (1987) oder im Globe Unity Orchestra (2002). Und sie hatten beide, wenn auch nicht durchgängig, eine gemeinsame Heimstatt beim Label FMP.
Doch je näher man Brötzmanns „alter ego“ (FAZ) tritt, desto mehr verspurt es sich in zwei sehr disparate Laufbahnen und Lebensstile.
Dass Brötzmann sich an „Desafinado“ oder „Take Five“ versucht hätte, ist nicht bekannt. Genau daher aber kam der von allen nur Luten genannte Altsaxophonist aus Güstrow/Mecklenburg.
Er hat im Rundfunk-Tanzorchester Berlin gespielt, sogar Jazzrock (pfui Teufel), er hat sich nicht mal vor Schlagern geekelt. Wie anders hätte er einen Manfred Krug (1937-2016) begleiten können? Oder, ja ganz andere Abteilung, einen Wolf Biermann?
Petrowskys Pfingsterlebnis fand im Dezember 1965 im Dresdner Hygiene-Museum statt. Da traf er, als Mitglied des Manfred-Ludwig-Sextetts, auf das Trio von Joachim Kühn.
Wolfram Knauer beschreibt in seinem Buch „Play yourself, man!“ die Verunsicherung und Infizierung des Altsaxophonisten durch den Pianisten im Hinblick auf freiere Ausdrucksformen.
Der Infektionsherd konnte für ihn als Altsaxophonisten nur heißen: Ornette Coleman (1930-2015). Das Gefäß dafür wurde 1973 die Gruppe Synopsis, in den 80ern mit preussischem Humor umbenannt in Zentralquartett (Petrowsky; Baby Sommer, dr; Ulrich Gumpert, p; Conny Bauer, tb).
Diese Avantgarde (ein gelebtes Paradox unter DDR-Bedingungen) war aber immer auch „Luten“: altdeutsch für „aus dem Volk“. Es fand sich, als deutsches Liedgut, auch im Repertoire des Quartetts wieder.
Luten Petrowsky, dem auf Fotos häufig der Schalk im Nacken zu sitzen scheint, hat die für diese Musik vorgeschriebene politische Deutung in einer wiederum sehr schalkhaften Dialektik aufgelöst:
„In der DDR war sie (die Musik) völlig unpolitisch und dadurch wurde sie auch politisch. Das ist ein komischer, doppelter Rittberger-Widerspruch in sich. Aber wir wurden dauernd bezichtigt, irgendwie dagegen zu sein und hatten in der DDR auch ein relativ großes Publikum, das aber im Grunde genommen nicht nur aus Musikkennern oder Fans bestand, sondern das waren Leute, die mit der Musik gar nichts anzufangen wussten“. Letztere kamen zuhauf, weil sie „die Atmosphäre genossen“.
Es war aber gewiss nicht diese Eigenschaft, derentwegen George Gruntz ihn 1980 in seine Concert Jazz Band holte, als einzigen Deutschen neben Manfred Schoof.
Jahrzehnte lang trat er mit Uschi Brüning auf, mit der er seit 1983 verheiratet war; es kam sein ganzes Arsenal zum Einsatz: Altsaxophon, Klarinetten, Flöte.
2013, zu seinem Achtzigsten, widmete ihm das Jazzfest Berlin einen Jubilee-Abend, mit drei seiner wichtigsten Ensembles. Den Deutschen Jazzpreis für sein Lebenswerk (2022) musste sie für ihn entgegennehmen; er lebte schon seit Jahren in einem Pflegeheim.
Ernst-Ludwig „Luten“ Petrowsky, geboren am 10. Dezember 1933 in Güstrow, starb am 10. Juli 2023 in Berlin; er wurde 89 Jahre alt.
erstellt: 12.07.23
©Michael Rüsenberg, 2023. Alle Rechte vorbehalten

Aber, was wird nun aus „
1972 wohl, in Köln. Pete Brown & Piblokto! spielen in einem Kino am Ring, schon damals eine seltene location. Stunden zuvor wird das Equipment der Bluesrock-Band, inklusive Hammond B3, in einen Aufzug im WDR-Funkhaus gehievt. Live-Auftritt im
Der Schweizer ist als langjähriger Chef des Willisau Festivals der Musik näher und länger verbunden, Kieser ist, aufgrund seines Lebensalters, der frühere. Schon Ende der 40er Jahre begann er mit Plakaten und LP-Covers.
Karl Georg Günther Kieser, geboren am 24. März 1930 in Kronberg/Taunus, starb, wie erst jetzt bekannt wurde, am 22. März in Offenbach, zwei Tage vor seinem 93. Geburtstag.
Es ist der 6. Mai 1982, sein 38. Geburtstag.
Schönenberg wandte sich diversen esoterischen Unternehmungen zu, zuletzt lange Jahre in Bad Honnef, wo er einschlägige Seminare gab („Über das Höhere Selbst“). Was er auf seiner Webseite
Er kommt aber - und hier werden amerikanische Augen & Ohren hellwach - aus Heidelberg, zumindest in den 50er/60ern nur vermeintlich deutsche Jazz-Provinz.
Wer dort gelernt, wer dort gelehrt hat (und dies bis heute), von
Die Fahrt (Achtung Metapher) schießt auf Höhen (wie zum Beispiel bei der Auszeichnung von 
Er kommt aus Canterbury, er hat - wie Mitglieder von Soft Machine - die Simon Langton Grammar School for Boys besucht, eines seiner Alben heißt „Canterbury Song“ (1989).
der Preis für das Lebenswerk innerhalb des
Sein Name ging selten einher ohne lobende Erwähnung derer, die sich auf ihn beriefen.