CHRISTIAN LILLINGER Open Form for Society II *********

01. Tarr (Christian Lillinger), 02. Korrektur, 03. Aufgefächert, 04. Topping Abormal, 05. Aufgefächert II, 06. Setzung, 07. Poliform, 08. Antholz Olang, 09. Plant, 10. Granat, 11. Vector, 12. Plant  II, 13. Pixel, 14. Ocker, 15. Vertikalität, 16. Topos, 17. Vortex (Cory Smythe), 18. Utaaa (Christian Lillinger), 19. Positionen 

Christian Lillinger – dr, electronics, (Kaja Draksler – Celesta, Upright Piano nur auf LP), Elias Stemeseder – Harpsichord, Synth, Georg Vogel – E-Claviton, Anna D’Errico – p, Cory Smythe – p, Robert Landfermann – b, Jonas Westergaard – b, Petter Eldh – b, bg, Christopher Dell – vib

Rec. 11.-14.11.2024
Plaist 017

Herrschaften, was ist denn hier los?
Wir waren dabei. 
Aber, DAS haben wir nicht gehört!

Nicht in dieser Transparenz. Nicht in dieser Präsenz der Klänge.
Und obwohl das Auge immer mithört, spielt das Akustische hier seinen Primat aus. Gnadenlos. 

Zudem in einer Reihenfolge, die wir nicht wahrgenommen haben.
Die wir gar nicht wahrnehmen konnten.
Denn wir haben den Publikumsteil dieses Projektes erlebt, das Plaist-Festival 24, die Premiere von zwei Abenden im Loft, Köln, noch dazu am 11.11.2024.
Diese CD aber repräsentiert eine Selektion aus vier Aufnahmetagen, parallel zu den Konzerten, aus dem Kammermusiksaal des Deutschlandfunks.
In einer klugen Selektion, die keine Umbaupausen kennt, sondern nur musikalische Strukturen, die an Schnittstellen aufeinander stossen und sequentiell - das muss man schon sagen - eine atemberaubende Dramaturgie entfalten.
Und auch diese Beschreibung erfasst noch nicht vollständig die Formalien dieser Produktion „einer radikal verdichtete Form der Kammermusik, die über einen Zeitraum von drei Jahren konzipiert und entwickelt wurde“ (wie es nicht in den äußerst sparsamen liner notes, wohl aber auf der Webseite des Labels heisst).
Der Zeitraum ist entscheidend: selbst die drei Tonmeister im DLF-Aufnahmeraum haben nicht das gehört, was jetzt von einer CD und zwei LPs (die sich lediglich mit bei track 6 in unterschiedlichen Versionen unterscheiden) erklingt.
„Open Form for Society II“ hat einen sehr aufwändigen Prozess der Post-Produktion erfahren, mit klanglichen und strukturellen Transformationen, sodass man unter dieser Perspektive fast (und dieses Wort ist betont zu lesen) schon von Elektro-Akustischer Musik sprechen kann.
Die stilistische Selbst-Taxierung als „radikal verdichtete Form der Kammermusik“ mag als sehr vorläufige Sortierung durchgehen, wirkt aber amüsant auf einem Label, das sich - wiederum per Homepage - als Hort einer „Genre-freien (…) Kunstform“ ausweist.

---wird fortgesetzt

erstellt: 22.08.26
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