Was geschah am 11. Juli 2026 in St. Moritz?

Samstag, 11. Juli 2026 war der 10. Festivaltag in St. Moritz in den Schweizer Alpen.
Der Tag nach Pat Metheny, der Tag vor Renaud Garcia-Fonds und Diana Krall beim Festival da Jazz 2026.
An diesem Tag ein Programm, wie man es im Oberengadin verstecken muss, andernorts würde man solches Bühnenpersonal nicht ertragen:
die Auftritte vom Till Brönner Quartett und … Dieter Hallervorden.
Was haben die beiden in prächtiger Kulisse gegessen, getrunken, geraucht?
Wer hat sie mit einem noch unbenannten Virus infiziert?
Von Metheny, Renaud Garcia-Fonds und Krall sind keine Verhaltensauffälligkeiten seitdem vermeldet - von den beiden aber schon.
Hallervorden tritt als Hofsänger im Wahlkampf des sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Sven Schulze auf. Absurde Attribute machen die Runde, z.B. Boris Pistorius tituliert als „Kriegsminister“, und was die Kriegsgefahr betrifft, „am Ende geht’s um Kohle, das ist der größte Treiber´, singt Hallervorden und erhält dafür Applaus des Publikums“ (FAZ, 04.08.26).
Auch unser Schönster ist als Hofsänger unterwegs; an wessen Seite hängt noch davon ab, wer sich traut, die Dienste eines Minderheitenkünstlers in Anspruch zu nehmen. Von der Richtung her, die er in einem Video vorgibt („eigentlich wollte ich immer nur Trompete spielen“), dürfte der Hofsänger Brönner zu Wolfgang Kubicki passen.
Der Oberton des freundlich gesprochenen Pamphletes („Leistung muss sich wieder lohnen“) dürfte jenem gefallen.
Ob aber die Rechenkünste des nur-Trompetenspielers den Juristen Kubicki überzeugen, erscheint fraglich. 
„Jemand möchte mich für 1000 Euro engagieren. Um diese 1000 Euro ausgeben zu können, musste er – stark vereinfacht gesagt – 2000 Euro verdienen´, sagt Brönner. ´Jetzt bekomme ich diese 1000 Euro, und wenn davon nach Steuern und Abgaben rund die Hälfte bleibt, dann sind das, einfach gerechnet, 500 Euro. ´Sehr vereinfacht gesagt: Von 2000 Euro sind 1500 beim Staat gelandet und 500 bei mir´, sagt Brönner. ´Wenn ich sage: Sorry Kollege, für 500 Euro kann ich’s leider nicht machen, dann findet das Geschäft überhaupt nicht statt. Kein Honorar, keine Steuern, kein Auftrag“, lautet des Transkript der entsprechenden Passage im Video (Welt, 11.08.26).
Dann mäandert Brönner noch weiter durch die Welt (Größen der Zeitgeschichte wie Hilmar Kopper von der Deutschen Band, pardon Bank, beeindrucken ihn durch ihre Bescheidenheit in kleiner Runde: 1 Flasche vom Allerfeinsten („wo es doch auch ein Primitivo getan hätte“) als Honorar von Gerhard Schröder! - schon auf der Beschreibungsebene gerät vieles durcheinander.
Es ist der (improvisierte?) Chorus eines Kleingeistigen, der Tugendhaftigkeit gleichwohl nicht abgeneigt („Ich würde übrigens niemals schlechter spielen, nur weil ich weniger Geld bekomme.“)
Und er schließt mit einem Traum, der ihm in den Kommentaren viel Beifall einträgt:
Ich wünsche mir keine ärmere Gesellschaft mit gerechterer Verteilung. Ich wünsche mir eine wohlhabendere Gesellschaft, in der möglichst viele Menschen erfolgreich sein können“.
Wir kennen das aus dem Ruhrgebiet der 60er Jahre, da hieß das:
„Lieber reich und gesund als arm und krank.“

PS: Man möchte die Berliner JazzmusikerInnen bedauern, die ihr Glück nicht fassen könnten, würde jemand 2.000 Euro verdienen und ihnen die Hälfte überweisen. Sie wissen schon so vieles über ihren nolens volens frontman zum Erreichen des Zieles „House of Jazz“ in der Hauptstadt. Das jüngste Pamphlet dürfte die Zusammenarbeit nicht geschmeidiger machen.

erstellt: 12.08.26
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