Wie die Rheinische Post heute - nach einem Gespräch mit der neuen Bürgermeisterin Sonja Wienecke - meldet, "(ist) mit dem Aus der Monheim Triennale (...) eines der sichtbarsten Kultur-Markenzeichen der Stadt vorerst Geschichte."
Überraschend kommt das nicht.
Das Menetekel, am 5. Juli 2025 ward es nicht projiziert auf die riesige Wand im Kinopalast „Emotion“ zu Monheim - darüber liefen Bilder & Töne des wohl größten opus von der kurzlebigen Monheim Triennale: „Every Note you play“, die Film-Dokumentation von Mika Kaurismäki über die Edition 2024, nun am eigentlichen Ort, zur richtigen Zeit, am vorletzten Tag dessen, was sich als finale Ausgabe herausstellen sollte.
Das Mentekel, es machte sich immateriell bemerkbar; es schwebte als traurige Gewissheit über der Vorführung, bevor man die Plätze eingenommen hatte, es ließ hernach die matt-zukunftsfreudigen Äußerungen der beiden Protagonisten - Bürgermeister Daniel Zimmermann und Triennale-Chef Reiner Michalke, noch dazu vor einer Nachbildung der Blues Brothers - als spezifische Variante von Galgenhumor erscheinen.
Der Sound dieser Gewissheit, es war das Vorecho der NRW-Kommunalwahl im September 2025. Von Zimmermann war bekannt, dass er sich nicht mehr zur Wahl stellt, und von der prospektiven Nachfolgerin, der von mehreren Parteien getragenen Sonja Wienecke, war gewiss, dass sie dem Festival in der inzwischen hochverschuldeten Stadt kritisch gegenüber steht.
Die Monheim Triennale, das war in zwei Zyklen, überschrieben The Prequel, The Festival und einmal The Sound (u.a. mit dem kostspieligen Robert Wilson), über fünf Jahre das Produkt der kulturellen Geistesfreundschaft von Michalke & Zimmermann. Ein ambitioniertes Metropolenprojekt in einer kreisangehörigen Stadt von 45.000 Einwohnern, das - was in einer Metropole gar nicht möglich wäre - zugleich über die ständige Anwesenheit eines künstlerischen Repräsentanten (Achim Tang) in das Wurzelwerk lokaler Musikkulturen zu gelangen suchte. Wie nicht nur Kaurismäkis Film zeigt, mit Erfolg.
Von Großzügigkeit geprägt schon der „Spatenstich“ in Monheim, an Rhein-km 714.
Im März 2020 führt Michalke (nach den Jahren 2006-2016 beim Moers Festival und bizarrem KleinKLein mit der Stadtverwaltung) als erster Triennale-Intendant durch die Ruine der einst modernsten Schmierölraffinerie Europas.
Sie sollte umgebaut werden zu einem hoch-variablen Veranstaltszentrum, zur Kulturraffinerie K714, worin auch die Monheim Triennale Unterschlupf finden soll, mit ihrer von ihm sehr spezifisch ausgelegten „Aktuellen Musik“.
Die Bühne auf der MS Rheinfantasie, jeweils temporär verankert in Höhe der berühmt-berüchtigten Ikone der Stadt, des künstlichen Geysirs, sollte lediglich als Refugium der Wartezeit dienen. Das Schiff bleibt, neben Kleinodien am Ufer, nun als Hauptspielort in Erinnerung.
Kaum denkbar, dass irgendetwas Triennale-artiges im K714 nach der Eröffnung im September 2026 erklingen wird. Nachdem die Bürgermeisterin als Vorsitzende des Aufsichtsrates der Triennale GmbH im Blick auf eine Entscheidung des Gremiums von Mitte Dezember heute so zitiert wird:
„Zur Kündigung des Intendanten verweist Wienecke darauf, dass diese Personalentscheidung im nicht-öffentlichen Teil des zuständigen politischen Gremiums getroffen und dort begründet worden sei“ (RP).
Also, nichts Genaues weiß man nicht.
Hintergrund ist die in Monheim besonderes angespannte Haushaltslage, hier speziell die drastisch sinkenden Gewerbesteuereinanhmen. „Auch welche weiteren Kulturangebote oder Kunst im öffentlichen Raum auf dem Prüfstand stehen, bleibt vorerst offen“ (RP).
Offen auch, was die Kündigung bedeutet; immerhin hat Michalke einen Vertrag als Triennale Intendant bis 2029.
Es wäre vielleicht ein analoger Vorgang zu der „Rückabwicklung des Ankaufs eines Kunstwerks für den öffentlichen Raum der Künstlerin Alicja Kwade“.
erstellt: 06.01.26
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