GONZALO RUBALCABA & NEW CUBAN QUARTET Paseo ******

1. El Guerrillero (trad), 2. Prelude en Conga #1 (Hilario Gonzalez) Homage to Hilario (Rubalcaba), 3. Bottoms up, 4. Sea Change, 5. Paseo con fula, 6. Meanwhile, 7. Santo Canto, 8. Quasar, 9. Los Büyes (trad)

Gonzalo Rubalcaba
- keyb, Jose Armando Gola - bg, Ignacio Berroa - dr, Luis Felipe Lamoglia - ss, as, ts

rec 5.-9.4.2004

Blue Note 7243 5 81832; LC-Nr 00133

Mögen auch noch so viele kubanische Künstler
aufgebaut werden, das alle überragende Talent der Insel bleibt dieser inzwischen 41jährige Pianist. Timing & Technik sind phänomenal, seine Güteklasse kann man auch an der US-amerianischen Prominenz ablesen, die seit Mitte der 80e Jahre gerne an seiner Seite sich blicken lässt.
Gonzalo Rubalcaba, daran muss erinnert werden, ist 1986 erstmals auf westliche Ohren gestoßen ("Live in Havanna") mit stupender Latin-Fusion und einer kubanischen Mannschaft. Das war (noch) nicht sein kubanisches Quartett, das jetzt durch ein neues abgelöst wird. Das letzte Quartett (mit Felipe Cabrera - bg, Julio Barreto - dr, Reynaldo Melian - tp) ist 1997 abgetreten; es hat an so packenden Einspielungen wie "Suite 4 y 20", "Rapsodia" (beide 1992) und "Antiguo" (1997) mitgewirkt - und sein Schatten ist noch nicht ganz verklungen.
Rubalcaba knüpft mit mehreren Stücken an frühere Aufnahmen an: "Quasar" z.B. ist unter anderem Namen ein
remake von "Supernova 2" (2000) und "Santo Canto" eine direkte Wiederaufnahme des gleichlautenden Stückes von "Rapsodia". Man kann nicht gerade behaupten, die Stücke hätten durch ihre Neu-Interpreation gewonnen. Sie sind bestenfalls in die Länge gezogen und einen Tick eher laid back gespielt. Der Saxophonist Lamoglia wirkt ausdrucksarm, er ist nicht von der Güte derer, die eine Rhythmusgruppe ad hoc adressieren können.
Und die ists hier die halbe Miete:
Ignacio Berroa, ein Veteran aus etlichen Aufnahmen mit Kip Hanrahan, nun zum dritten Male bei Rubalcaba sowie der recht unbekannte Jose Armando Gola mit einem trockenen Funk-Ton.
Es mag ein wenig anachronistisch anmuten, wenn die beiden
M-Base-Muster anwenden - aber sie tun das mustergültig, mit allerlei offbeat-Akzenten. "Bottoms up" z.B. ist ein regelrechter M-Base-Shuffle, der sich in ein dr-solo gegen riff auflöst. in "Paseo con Fula" wechseln die beiden gekonnt zwischen binären und ternären Grooves, "Santo Canto" läuft - wie das Original auf "Rapsodia" - über 9/4, für Latin-Musiker aller Fraktionen eine Rarität. In "Quasar" schliesslich lässt Gola einen weiteren Einflusspol durchschimmern: Anthony Jackson.
Der Bandleader gibt sich solistisch eine Spur zurückgenommener, nicht so hitzig-expressiv wie sonst, auch auf dem E-Piano; sein timing ist nach wie vor eine Delikatesse - nur bietet das Album keinen Anschauungsstoff für die These, das
neue Quartett würde - abgesehen von den M-Base-Partikeln - irgendetwas vorbringen, das man von dem alten noch nicht gehört hätte..

©Michael Rüsenberg, 2004, Alle Rechte vorbehalten


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