PETER ERSKINE Peregrine ******

01. Gumbo Time (Alan Pasqua), 02. Bop be (Keith Jarrett), 03. On the Lake (Erskine), 04. God only knows (Brian Wilson, Peter Asher), 05. Poetry Man (Phoebe Snow), 06. Chillipso (Pasqua), 07. Wichita Lineman (Jimmy Webb), 08. Leaving L.A. (Erskine), 09. Contemplation (Pasqua), 10. David´s Blues (Erkine), 11. Dear Chick (Pasqua)

Peter Erskine - dr, Alan Pasqua - p, ep (5), Scott Colley - b, Kate Lamont - voc (5), Bob Sheppard - as, ts (5,8), Brian Kilgore - perc (5)

rec. 21./22.04.25
Hard Wag Records


Das Pianotrio ist seit etlichen Jahren das bevorzugte Format von Peter Erskine, 71, (ex-Weather Report).
Die Bassisten mögen wechseln (u.a. der exzellente Dave Carpenter, 1959-2008), heuer übernimmt den Job der deutlich renommiertere Scott Colley, 62, mit viel Raum für solistische Exkursionen - der Pianist war und ist Alan Pasqua, 74.
Erskine & Pasqua kennen sich seit 1971, ihr gemeinsamer Lehrer an der Indiana University war David Baker (1931-2016). Ihm hat Erskine hier „David´s Blues“ gewidmet, dem Titel zum Trotz ein mid-tempo Bebop-Stück - und kein Blues.
Vom Genre her verwandt damit: „Bop be“ von Keith Jarrett, bei jenem Titelstück des gleichnamigen Albums 1976 mit seinem amerikanischen Quartett.
Beide Stücke interpretiert in lässig-zurückgenommener Manier, die das gesamte Album prägt.
Wesentlich näher an Blues & Gospel ist der opener „Gumbo Time“, wie unschwer zu erraten dem New Orleans rhythm feeling zugedacht, wobei - erstaunlich - Erskine keinen New Orleans back beat schlägt.
Sein Konzept zu diesem Album - „the album I've always wanted to make“ - lesen wir am ehesten ab an zwei Popstücken: „God only knows“ von den Beach Boys und „Wichita Lineman“, dem wahrhaftigen cross country-Klassiker von Jimmy Webb.
Beide liegen in atemberaubend abweichenden Versionen von John Hollenbeck vor, 2010 bzw. 2019.
cover Peter Erskine PeregrineVon derlei Gestaltungsfuror lassen sich die beiden Hauptmatadore, Erskine & Pasqua, hier nicht leiten.
Ihr Ansatz, man möchte fast sagen, ist ein kammer-
musikalischer:
eine leichte Akzentrückung hier, ein abweichender Akkord dort, vor allem: von track zu track wechselnde Farben durch wechselnde Rhythmen und alte Jazztugenden wie tradin´ fours sowie immer wieder leichte Bop-Anklänge.
So tänzelt vor dem ewig attraktiven „Wichita Lineman“ ein Calypso von Pasqua („Chillipso“), davor eine Ballade von Phoebe Snow („Poetry Man“) mit der nicht unbedingt glänzenden Sängerin Kate Lamont.
Alan Pasqua spielt hier ein E-Piano mit orgel-artig ausgehaltenen Akkorden, Bob Sheppard, ts, hat hier seinen ersten Gastauftritt.
Auf „Wichita…“ folgt er in dem fast swing „Leaving L.A.“ nach dem Muster eines Count Basie-Blues, in dem er auf Alt- und Tenorsax einen ganze Saxophonsatz suggeriert.
„Contemplation“ - nomen est omen - kühlt die leichte Erregung dann wieder ab.
„Dear Chick“ schließlich löst ebenso seinen Titel ein als Hommage an den legendären Pianisten Chick Corea (1941-2021).
„Peregrine“ wirkt wie ein Ausklang, ein lässiger, später Blick auf ein an aufregenden Momenten überaus reiches Euvre, zu dem der Titel als richtungsweisend nicht so recht passenden will.
Peregrine steht einerseits für einen der schnellsten unter den Raubvögeln, den Wanderfalken (wie das Cover nahelegt), verweist vom Wortstamm her aber auf peregrinus, im Lateinischen der Wandernde/der Reisende.
So geht’s durch „Peregrine“ - als Flaneur.

erstellt: 21.04.26
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