Wenn’s um Lokalstolz geht, halten wir uns (zumal als wenn auch vor mehr als fünf Jahrzehnten) Zugezogene eher bedeckt; wenn’s in dieser aufwallungsaffinen Disziplin um Alltagsfragen geht, strebt er gegen Null.
In puncto Jazz hingegen lässt der Pegel nur wenig Luft nach oben.
Neulich lasen wir im Berliner Tagesspiegel:
„Der schöne Traum von einem Berliner House of Jazz geht nun ins elfte Jahr. Der schöne Traum von einem Berliner House of Jazz geht nun ins elfte Jahr“.
Das sei „nur ein Hauch mehr“ als im Falle der Elbphilharmonie.
Ja, drunter machen sie’s nicht, die Haupstadtjournalisten.
Die naheliegendste, geradezu zwingende Referenz - auch wenn sie nicht „Jazz“ im Titel trägt - fällt ihnen nicht ein oder ist ihnen zu popelig.
Immerhin heisst das Objekt ihrer Begierden „L’Aiglon“, ein „1955/56 von Hans Wolff-Grohmann für die französischen Streitkräfte erbautes Kino (…) an der Grenze von Reinickendorf zu Tegel“.
Dieser „Jungadler“ war in der Tat ein schönes Stück Nachkriegsarchitektur.
Aber wer sich die location mit Hilfe heutiger Ortungsdienste anschaut, kann den Eindruck kaum unterdrücken, dass in diesem Umkreis einst Schlapphüte unterschiedlicher Bündnisse sich versammelten, um gleich gegenüber im Flughafen Tegel ganz unauffällig unter die Reisenden sich zu mischen.
Der Stadtgarten Köln (vom Loft ganz zu schweigen) - Nimm´ das Berlin! - hat von der Gründungsversammlung Interessierter bis zum Einzug in eine ebenfalls renovierte Immobilie ganze acht Jahre gebraucht. Im September feiert er seinen Vierzigsten.
Und wir können die Berliner Jazzkräfte gar nicht mehr aufzählen, die dort die Bühne bevölkert haben - unter beifälligem Stöhnen, dass es Vergleichbares eben nicht gebe, in der Hauptstadt.
Auch in der Disziplin, wie man prominente Mitbewerber aussticht, die lokale Kulturverwalter becircen (in Berlin Till Brönner, in Köln Gigi Campi, Dieter Flimm, Vera Brandes, anfangs auch Manfred Schoof), könnten die Hauptstädter am Kölner Westbahnhof lernen.
Man muss andererseits aber auch jönne könne: der Tagesspiegel-Behauptung, Berlin habe sich „in den vergangenen beiden Jahrzehnten zu einer Welthauptstadt des Jazz entwickelt“, Musikerinnen und Musiker aus aller Welt hätten hier eine Bleibe gefunden“, ist wenig entgegen zu setzen.
---wird fortgesetzt
erstellt: 08.04.26
©Michael Rüsenberg, 2026. Alle Rechte vorbehalten