Pankreas 1

Das ist kein Schuh, nicht mal ein Bio-Schuh - das ist eine Bauchspeicheldrüse (Pankreas).
Kein Mensch hat sich bisher die Frage gestellt, welche Funktion diesem Organ beim Musikhören zukommt - außer Forschern an den Universitäten von Nagasaki (J) und Trento (I).
Sie fanden
„eine signifikante negative Korrelation zwischen dem Testosteron-Spiegel in der Bauchspeicheldrüse und der Vorliebe für anspruchsvolle Musik, z.B. Klassik und Jazz, bei Männern.“

Man könnte die Schultern zucken und op jut Kölsch antwoorte: „Dat is´ für misch persönlisch total uninteressant!“
JC wird zwar in Köln gemacht, mochte sich aber mit dieser Antwort nicht zufriedengeben und auch nicht wie ein Journalist namens Chris Jarrett (sic!) im BPS Digest dieses reißerische Resultat einfach weiterreichen
JC bat den führenden deutschen Musikpsychologen, Reinhard Kopiez von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, die italo-japanische Studie abzuklopfen.
Und danach bleibt davon fast nichts mehr übrig.
Als Hauptproblem sieht Kopiez die mangelnde Test Power der Studie; befragt wurden 76 junge erwachsene Japaner, darunter 37 männlichen Geschlechts - eine viel zu kleine Stichprobe, um den negativen Zusammenhang zwischen Testosteronlevel und Präferenz für Sophisticated Music (Jazz, Klassik etc.) von r = 0.43 ernstzunehmen.
Dieser Faktor liege knapp über Zufallsniveau; „solche Studien nennt man ´hoffnungslos unterpowert´, und es wundert mich, dass dieses renomierte Journal keine Powerüberlegungen einfordert.“
Dann findet Kopiez „selektive Interpretationen von Ergebnissen“, mit anderen Worten: man kann die Daten auch ganz anders deuten.
Eines von mehreren Beispielen:
„Der Zusammenhang zwischen Testosteron und sozialer Verträglichkeit beträgt r = 0.41, was ebenfalls in die falsche Richtung geht, denn laut Theorie sollten ´Testosteron-Panzer´ rücksichtlsos, unkooperativ und empathielos sein. Sind sie aber hier nicht. Was hier los ist und warum das nicht diskutiert wird, bleibt das Geheimnis der Autoren.“
Immerhin, die italo-japanischen Autoren haben ihren Probanden klingende Beispiele für die entsprechenden Gattungen vorgespielt. Aber es fehlt eine playlist, es bleibt offen, was sie, außer Gattungsbegriffen, unter „sophisticated music“ verstehen.
Kopiez´ Fazit: „So eine Studie werde ich in meinem Forschungskolloquium als Lehrstück für schlechte Forschung gut verwenden können.“

 erstellt: 23.02.18
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