In der Akademie der Künste, Berlin, hat eine Arbeitsgruppe „Gender und Sprache“ ein Grundlagenpapier vorgelegt, das geeignet ist, auch unsere kleine Welt mit ein paar Gedankenblitzen aufzuhellen.
Zur Arbeitsgruppe gehören u.a. die Schriftsteller Kathrin Röggla und Friedrich Christian Delius; sie würden sich, wenn wir ihre „Handreichung für die Akademie“ richtig verstehen, verbitten, als Schriftsteller*innen oder SchriftstellerInnen vorgestellt zu werden.
Denn:
„Wer (…) die Sprache durch neue Wortbildungen, Partizipalkonstruktionen und Genusmanipulationen mit dem Anspruch auf mehr Gerechtigkeit verändern und normieren will, ist sich meist nicht im Klaren darüber, welche neuen Mißverständnisse damit produziert werden und wie einzelne Veränderungen systemische Auswirkungen auf das Sprachgefüge haben.“
Im nächsten Absatz entfalten sie einen bekannten Gedanken, der gleichwohl den Autoren des UDJ-Aufrufes „Für eine Gleichstellung der Frauen im Jazz“ nicht vertraut sein dürfte.
Es geht um einen grundlegenden Pferdefuß der auch in unseren Kreisen geforderten „geschlechtergerechten Sprache“.
„Alle Versuche, der Sprache ihre immanente Mehrdeutigkeit auszutreiben und sie mit der Vorgabe einer geschlechtergerechten Differenzierung zu verordneter Einsinnigkeit zu zwingen, führen zur Verarmung.“
Auch die Konsequenz obigen Irrglaubens wird von den Berliner Autoren deutlich benannt:
„Die Vorstellung, ungelöste gesellschaftliche Probleme durch Sprachnormierungen antizipatorisch lösen zu können, ist ebenfalls eine verbreitete Illusion.“
Mit anderen Worten: es könnte ja sein, wie der frühere Jazzfest-Leiter Richard Williams meint, daß „große Jazzmusiker vielleicht vier Takte weiter denken, als das, was sie gerade spielen“.
Den gewünschten Gleichstand mit Kolleginnen (hier passt´s) werden sie durch noch so konsequente Sprachhygiene nicht verkürzen können.

erstellt: 27.11.18
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