Wer wenig mit Jazz sich beschäftigt, muss auf die Kacke hauen, wenn er es denn mal tut.
Die FAS (25.11.18) empfiehlt unter 26 Weihnachtsgeschenken immerhin zwei aus unserer kleinen Welt. Unter „12. Im Hier und Jazz“ protegiert cls (der einen Gesprächsband mit Till Brönner veröffentlicht hat) das Album von Jeff Goldblum „The Capitol Studio Sessions“, und dies ganz offensichtlich, weil - sich Brönner „hier traut mal so richtig zu zeigen, was er kann, scheinbar mühelos, als wäre ihm dieses Können nur zugeflogen; als wundere er sich selbst noch mehr als Jeff Goldblum über die irren Soli, welche die Trompete hier spielt.“
(Der Improvisationsforscher Raymond MacDonald zählt diese Erklärung der Improvisationskünste zum „mystery account“, im Gegensatz zu denen, die ihr Können aus ihrer Meisterschaft ableiten, „mastery account“.)
Geschenkt.
Wirklich zur Sache geht dann tlin unter „21. Retter des Jazz“.
Ja, wenn Jazz empfohlen wird in fremder Umgebung, dann gerne mit Hilfe eines Künstlers, der die Gattung erst mal aus dem Sumpf zieht.
Wir Normalbeobachter der Szene, die diese Notwendigkeit partout nicht erkennen, sind nun wirklich gespannt, wer denn dieser Heilsbringer sein könnte.
Esbjörn Svensson (1964-2008) kann es schon mal nicht sein, „einer der besten (Jazzpianisten) der Welt“, wie es zum Auftakt der Empfehlung heisst.
Aber, der Retter ist nahe, auch geographisch. Und wahrscheinlich hat der Autor tjin zu tief in das Buch von Stuart Nicholson geschaut, denn er kommt, 12 Jahre später, auf die gleiche Schnapsidee: der Retter des Jazz ist Bugge Wesseltoft.
Zum Fest müssen wir uns freilich noch mit einer neuen Weihnachtsplatte von Onkel Bugge begnügen, die wirkliche Frohe Botschaft folgt erst am 18. Januar 2019 in Gestalt des Albums „Rymden“. Das „ist eine Offenbarung. Natürlich!“
„Geht in Ordnung - - sowieso - - genau - -„ möchten wir mit Eckhard Henscheid antworten, dem Titel des Nachfolgeromanes zu „Die Vollidioten“.
Und erwartungstrunken gerade noch herauspressen, dass die kommende „aufregendste Jazzband Europas“ mit der Rhythmusgruppe von Esbjörn Svensson antritt.
Die Spannung ist wirklich kaum zu ertragen.

erstellt: 26.11.18
©Michael Rüsenberg, 2018. Alle Rechte vorbehalten