Unser Schönster wird von der Rheinischen Post (19.10.20) interviewt.
Offenkundig ist ihm die aktuelle Praxis seiner Kollegen nicht bekannt, die seiner Behauptung zuwider läuft:
„Ich darf die Trompete ja öffentlich gar nicht mehr herausholen, wegen des angeblichen Infektionsrisikos für alle, ein ziemlich würdeloser Zustand.”
Bronner RP 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Er bedankt sich für die Komplimente des Interviewers hinsichtlich seiner neuen Platte
(„…zaubert sie mir immer etwas Sonnenschein in meine Homeoffice-Kemenate“) -
und verfällt in einen Ton, den viele als „staatsmännisch“ (miss)verstehen werden:
„Musik ist Grundbestandteil unseres demokratischen Selbstverständnisses und trägt gerade zu der Besonnenheit bei, an die die Politik momentan ständig appelliert. [...]
Ich mache mir in Corona-Zeiten natürlich auch als Hochschullehrer Gedanken über den Beruf des Jazzmusikers. In den 60er-Jahren hatte Jazz etwas Gesetzesbrecherisches, aber es scheint nicht so, dass man dieser Kunst das heute zutraut. Gerade jetzt müssen wir die Funktion der Kunst aber herausschreien“.
Die Älteren erinnern sich: nicht zuletzt im Hinblick auf den subversiven Charakter des Jazz wurden 1968 die Notstandsgesetze verabschiedet.
„[...] 90 Prozent meiner freiberuflichen Kollegen verstehen die Welt nicht mehr.“
Ist das nicht traurig?

Damals waren 90 Prozent ihrer Väter so gut informiert, dass sie wußten, wie man Gesetze bricht.

erstellt: 21.10.20
©Michael Rüsenberg, 2020. Alle Rechte vorbehalten