
Die Todesnachricht entnehmen wir der New York Times.
„Phil Upchurch, Jazz Guitarist and Sideman to Stars, dies at 84“.
Die Überschrift ist treffend, (fast) alles im Text auch.
Aber was hören wir als Erstes?
Wir hören das, was die NYT auslässt: „Whatever happened to the Blues“, das 1992 entstandene, mutmaßlich beste Album eines Musikers, der (Michael Naura würde in der ihm eigenen Diktion der NYT zustimmen), der „sehr gut im Mittelfeld“ lag.
„Whatever happened to the Blues“ war die optimale Schnittmenge aus dem Zusammentreffen des Gitarristen mit Ricky Peterson, keyb, und dem weißen Kenner der afro-amerikanischen Musik, Ben Sidran, auf dessen GoJazz-Label.
Unter diversen Vorzeichen (schon der Nachfolger „Love is Strange“, 1995, wirkt dagegen verflacht) wird da ein Panorama des Rhythm & Blues entfaltet, das beinahe mit jedem track in „amtlicher“, gleichwohl frischer Inszenierung glänzt.
Ein Klassiker von James Brown ist darunter, „I don´t want nobody to give me nothing“ mit Original Brown-Personal, nämlich Clyde Stubblefield, dr, sowie den Hörnern Maceo Parker, Pee Wee Ellis und Fred Ellis.
Und es groovt, groovt, groovt ohne Ende: vom Gospel „The Tide keeps lifting me“ mit den Staple Singers, über einen um einen Beat bereinigten, auf 5/4 gestutzten „All Blues“ (Miles Davis).
Bis hinauf auf den Gipfel „Face to Black Tie“, wo Ricky Peterson, sein Bruder Paul (g, bg) sowie der Prince-Drummer Michael Bland dem guten Upchurch mit seinen Blues-licks einen Millimeter-Papier-Funk unterjubeln, der ihm sonst vermutlich nicht eingefallen wäre.
Er fällt aus dem Rahmen einer Karriere, der verlässlich von Blues-Farben koloriert war.
„Without some blues, ain’t nothin’ happening,” soll er der Los Angeles Times 1996 gesagt haben. “If you don’t dig the blues, you got a hole in your soul.”
Man möchte dieses Motto nicht einem jeden empfehlen, aber ihn hat es mit seinem klassisch-trockenen Blues-Ton gut durch die Zeiten getragen. Von Muddy Waters, Howlin´ Wolf und Etta James bis zu Michael Jackson.
Unter den wohl 1.000 Studiosessions waren auch welche mit Bob Dylan, Dizzie Gillespie und Cannonball Adderley. Sogar einen Ausflug zu Cassius Clay aka Muhammed Ali auf dessen Comedy-Album „I am the greatest!“ (1963) hat er gut überstanden.
Seine stilistische Bilanz ergibt sich aus einem weiteren Zeitungszitat:
„Ich habe mich selbst nie als ‚Jazzmusiker‘ im Sinne des Swing-Jazz gesehen. Ich wollte immer eher funkigen Jazz spielen als geradlinigen Bebop.“
Philip Rodney Upchurch, geboren am 19. Juli 1941 in Chicago, verstarb, wie erst jetzt bekannt wurde, am 23. November 2025 in Los Angeles. Er wurde 84 Jahre alt.
erstellt: 13.12.25
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