PHILIP BAILEY Love will find a Way ******

01. Billy Jack (Mayfield), 02. You're everything (Corea, Potter), 03. We´re a Winner (Mayfield), 04. Stairway to the Stars (Bailey, McBride, Christian Scott Will.i.am), 05. Brooklyn Blues (Bailey, Glasper), 06. Once in a Lifetime (Byrne, Eno, Frantz, Harrison, Weymouth), 07. Just to keep you satisfied (Gaye, Stover), 08. Sacred Sound (Bailey, Glasper, Bailey),  09. Long as you´re living (Brown jr, Priester, Tommy Turrentine), 10. Love will find a way (Bedria Sanders)

Philip Bailey - voc, perc, Bilal, Valerie Bailey, Bridgett Bryant, Joey Diggs - b-voc, Christian McBride - b-voc, b, Alex Al, Derrick Hodge, Carlos del Puerto - b, Adam Hawley, Lionel Lounge, Adam Rogers, Michael Severson - g, Will.i.am, Teddy Campbell, Steve Gadd, Jerome Jennings, Kendrick Scott - dr, Manuel Manolo Badrena, Lusito Quintero, Kevin Richard - perc, Kenny Barron - p, Chick Corea, Robert Glasper - keyb, Kamasi Washington - ts, Steve Wilson - as, fl, Casey Benjamin - as, vocoder, Miguel Gandelman - ts, Raymond Monteiro, Christian Scott - tp, Garrett Smith - tb, Lisa Dondlinger, Daphne Chen - v, Alisha Bauer, Ginger Murphy - vc

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He did it again. Mindestens um zweiten Male (die Premiere „Dreams“ von 1999 liegt JC nicht vor) in Folge ist Philip Bailey ein bemerkenswertes Album souliger Jazzmusik oder jazziger Soulmusik gelungen.
Er hat sich viel Zeit gelassen, fast zwei Jahrzehnte sind seit „Soul on Jazz“ (2001) vergangen.
Der Frontmann von Earth, Wind & Fire, inzwischen ist er 68 Jahre alt, beschränkt sich erneut nicht auf sein vokales Markenzeichen, den Falsett-Gesang, er greift die jeweils aktuellen Strömungen der afro-amerikanischen Musik auf.
Viel entscheidender aber ist der konzeptionelle Rahmen, in den er nicht nur seine vokalen Fähigkeiten, sondern auch seine Vorstellungen von Arrangement stellt. Es sind jeweils Klassiker des Rhythm & Blues (2001 u.a. „Compared to What“, „Mercy, Mercy, Mercy“ oder auch „Keep your head to the Sky" von EW&F), diesmal liegt der Schwerpunkt diesbezüglich auf Curtis Mayfield und Marvin Gaye.
Es sind jeweils Jazzstandards dabei (2001 in geradezu betörenden Fassungen „Tell me a Bedtime Story“ von Herbie Hancock, Zawinul´s „My Indiscretions“ und „On the Red Clay“ von Freddie Hubbard), nun „Long as you´re living“ von Julian Priester und Oscar Brown jr. (ursprünglich für „Quiet as it is kept“ von Max Roach, 1959).
Ein Blues im 5/4-Takt!
cover BaileyIn diese Kategorie gehört auch ein Faible für Chick Corea (2001 eine Hip Hop-Fassung von dessen „Sometime ago“); jetzt assisistiert ihm Corea leibhaftig im Studio für „You´re everything“ aus demselben Zeitfenster (1972), rhythmisch irjenswie Latin, aber keineswegs Samba (wie im Original).
Hinzu treten eigene Stücke von Bailey sowie Injektionen aus der Popmusik.
Heute ist es der Talking Heads-Klassiker „Once in a Lifetime“. Bailey trägt ihn, wie seinerzeit David Byrne, im Sprechgesang vor, das Falsett bleibt für den Refrain im Hintergrund aufgehoben.
Aber, was er und - mutmaßlich - Christian McBride, b, rhythmisch aus dem Song herausholen, lässt das Original von 1980 geradezu ärmlich erscheinen.
Bailey wendet hier (wie 2001 bei „Bop-Skip-Doodle“) einen wunderbaren Kunstgriff an: beide Stücke sind vom Beat her binär geprägt, aber von einem bestimmten Punkt an läuft ein walking bass parallel.
Das Line-up der Mitwirkenden wird leider nicht Stücke-spezifisch aufgeführt; man hätte nur zugerne gewußt, ob in diesem Falle Steve Gadd Schlagzeug spielt und Kenny Barron Piano.
In „Sacred Sounds“ kann man, weil er als Co-Komponist und Co-Produzent genannt wird, Robert Glasper als E-Piano-Solisten ausmachen und Kamasi Washington mit einem Tenor-Solo, nicht übel.
Wer auch immer hinter dem Namen Will.i.am* als Schlagzeuger sich verbergen mag - im Verein mit Bailey, McBride und Christian Scott hat er mit „Stairway to the Stars“ einen deftigen Afro Shuffle vamp geschrieben.
Die Coda fällt aus dem Rahmen: neben einem Synthie-Akkord gleiten die Streicher in einem portamento nach oben. 
Es schließt sich - Überraschung auf einem Sänger-Album - ein weiteres Instrumental an, der „Brooklyn Blues“, kaum mehr als ein Kalimba-Zwischenspiel des Bandleaders mit Glasper.
Das line up zeigt, dass Philip Bailey Wert darauf legt, jeweils das Personal der Zeit einzubinden. Der Prominenzfaktor mag heute höher sein als 2001. An „Soul on Jazz“ war eher die zeite Reihe beteiligt: Scott Kinsey, keyb, Billy Kilson, dr, John Hart, g - aber auch Personal mit „Ewigkeitswert“: Don Alias (1939-2006), perc, und Bob Belden (1956-2015) ss, arr.
Dies freilich - Achtung, Achtung! - bildet kein Qualitätsgefälle ab, nicht in dieser Reihenfolge. Kritisch gehört zeigt „Soul on Jazz“ im Vergleich die mutigeren Entscheidungen.
„Love will find a Way“, nun auf einem größeren Label, zielt auf ein anderes, ein größeres Publikum. Es wird bestens unterhalten.

*dr pic wirft JC eine „unverzeihliche Wissenslücke“ vor:
 „Noch nie von den Black Eyed Peas gehört? Der Typ ist ein Weltstar.“

erstellt: 05.07.19
©Michael Rüsenberg, 2019. Alle Rechte vorbehalten


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